Rügen: Eine kleine Auszeit im Februar (2024)

Eine Woche Rügen

Unterwegs mit Marius, seinem Auto und gar nicht selten zu Fuß

Zeitraum: 24.02. – 02.03.2024
Kameras: Canon EOS M5/M50M2, iPhone 12


Vorwort

Den Norden Deutschlands habe ich mir zum letzten Jahreswechsel als einwöchiges Urlaubsziel ausgewählt, während meine Frau in Österreich beim Skifahren ist. Mein Schulfreund Marius lässt sich für die Deutsche Ostsee auch begeistern. Für ihn kommt eine Bahnfahrt, wie ich sie anfangs auch in Erwägung gezogen habe, überhaupt nicht in Frage. Er würde jedenfalls mit dem eigenen Auto fahren.

Zunächst habe ich eine Ferienwohnung in Zingst gebucht, komme aber gehörig ins Wanken, als mir Volker einige Aufnahmen seiner letzen Urlaube auf Rügen, durchaus auch in den Wintermonaten, zeigt. Also buche ich am Ende um und wähle die Ostseeperle in Glowe auf Rügen aus.

Samstag, 24.02.2024 (Anreise nach Rügen)

Pünktlich um 8:30 brechen wir von Kürnach aus in den Norden auf. Mein lieber Schulfreund fährt, während ich es mir auf dem Beifahrersitz gemütlich machen kann. Er staunt nicht schlecht, über die Vielzahl an Gepäckstücken, die ich mitführe. Alles Vorräte und Zubehörteile, die ich am Ende gar nicht brauchen werde. Aber, man weiß ja nie ….

Über die A 70, A 9, A 10, A 24, A 19 und die A 20 kommen wir nach achtstündiger Fahrt, nahezu störungsfrei, um 16:30 an der Rezeption unseres Quartiers – bei der Ostseeperle in Glowe – an.

Der Empfang ist dort alles andere als charmant und gastfreundlich. Wo bitte sind wir denn hier gelandet? Die Punktebewertungen der einschlägigen Portale sind eben mit Vorsicht zu genießen.

Ein Zweitschlüssel für die Ferienwohnung fehlt, nachdem wir nachgefragt haben. Ihn hätten die Gäste, die vorher unsere Wohnung angemietet haben, mitgenommen.

Die junge Dame an der Rezeption nuschelt, rattert ihr eingetrichtertes Programm herunter, hört nicht zu, so dass ich mir stattdessen lieber freundliche künstliche Intelligenz wünsche.

Die Ferienwohnung selbst ist tadellos, bis auf den randvollen Abfalleimer.

Dieses Problem tragen wir anschließend der „ausgewechselten“ Dame vor, die mittlerweile an der Rezeption steht. Sie ist ähnlich unfreundlich und händigt uns – wie zwei kleinen Schulbuben – für die Unannehmlichkeiten einen Gutschein über insgesamt zwei Kugeln Eis aus der eigenen Manufaktur des Hauses aus. Ohne Worte!

Anschließend machen wir einen abendlichen Strandspaziergang, fahren mit dem Auto ins Daheim nach Lohme. Das überbackene Kabeljaufilet mundet, auch wenn sich danach etliche Kleckser der Sauce Hollandaise auf meinem Pullover wiederfinden.

Wieder in der Ferienwohnung angekommen, nehmen wir eine Flasche Wein auf unserem Esstisch wahr, die uns der Gastgeber überlassen hat. Eine nette Geste, die wir so – nach dem miserablen Einstieg – tatsächlich nicht erwartet hatten.


Sonntag, 25.02.2024 (Rügen)

Wir nehmen am Sonntag das Frühstücksbüfett der Ostseeperle wahr. Vielleicht kann sich hier noch etwas Lukullisches für den Rest unserer Urlaubswoche entwickeln.

Ehrlich gesagt, für rund 16 Euro hatte ich tatsächlich etwas mehr Qualität bei den Banalitäten erwartet.

Der angebotene Filterkaffee, Cappuccino o. ä. leider Fehlanzeige, ist lauwarm, äußerst schwach und lässt sich nur mit einem kleinen Stück Zucker aus der Thermoskanne locken, die Folien verpackten Butterstückchen liegen ungekühlt auf dem Büfett.

Der Fisch schmeckt indes gut, Bacon und Rührei auch.

Frisch gestärkt brechen wir anschließend zum Großparkplatz bei der Siedlung Hagen, in der Nähe von Lohme, auf.

Eine Stunde sind wir zu Fuß in Richtung Königsstuhl unterwegs. Wir hetzen uns nicht ab. Dann der legendäre, immer noch, kostenlose Victoriablick, auch ein Blick in Richtung Plattform Königsstuhl. Der alleinige Besuch des Skywalk ist leider nicht möglich. Der Eintrittspreis mit Museumsbesuch liegt bei 12 Euro/Person. Das mag jeder für sich entscheiden.

Mit dem Bus fahren wir anschließend zum Parkplatz zurück.

Von dort setzen wir die Fahrt nach Sassnitz fort. Bei unserem letzten Rügen-Urlaub 2021 hatten wir dort unser Quartier bezogen.

Der sonntägliche „Totentanz“, den uns eine Busmitfahrerin angekündigt hatte, sie hatte das Gespräch zwischen Marius und mir mitbekommen, findet dort nicht statt. Wir essen im Hafen unseren Fisch im Freien und unternehmen anschließend einen Spaziergang auf der ewig langen Mole in Richtung Molenfeuer. Die letzten Meter zum Leuchtfeuer sind gesperrt. Danach spazieren wir gemütlich zu den Kreidefelsen.

Die Sturmflut im Oktober 2023 hat die schweren Betonplatten der Mole gehoben, am Ufer der Kreidefelsen ist einiges an Steinen angeschwemmt worden. Das Ufer ist jedenfalls momentan nicht ganz unproblematisch zu begehen. Man muss höllisch aufpassen, dass man sich den Fuß nicht vertritt.

Wir kehren schon bald ins Cafe Peters zurück. Über die Altstadt von Sassnitz laufen wir zurück zum Auto. Danach fahren wir wieder ins Quartier. Der geschenkte Wein vom Vorabend mundet.

Wir sind heute schon etwas mehr auf Rügen angekommen.


Montag, 26.02.2024 (Rügen)

Wir brechen gegen 10:00 in Richtung Prora auf. Dort besuchen wir das Dokumentationszentrum, anschließend schauen wir uns einige sanierte Umbauten von außen an. Einen Blick auf die Ostsee wagen wir natürlich auch. Dieser Ausflug bleibt nach wie vor höchst empfehlenswert.

Danach folgt die Einkehr ins “Zentrum des guten Geschmacks“ – die Kantine Prora. Jägerschnitzel Ost ist eben nicht Jägerschnitzel West. Der Wirt hat uns darauf aufmerksam gemacht. Man hätte es durchaus auch als Warnung interpretieren können. Jammern ist also fehl am Platz. Insgesamt ein etwas schräges Ambiente mit einem Konterfei von Erich Honecker an der Wand. Ironie? Ich bin mir nicht ganz sicher.

Summa summarum:

Das Jägerschnitzel Ost ist Geschichte, beinahe jedes Jägerschnitzel West dürfte im direkten Vergleich als Testsieger hervorgehen.

Wir fahren weiter nach Binz. Dort ein kurzer Spaziergang an der Promenade, auf den Steg und über das Cafe Peters – dort war ich mit Uschi 2021 auch eingekehrt – zurück zum Auto.

Dann noch ein Kurzbesuch von Sellin, der Seebrücke und wieder zurück zum Auto. Die Bäder Rügens haben wir quasi im Schnelldurchgang „erledigt“.

In unserem Quartier kommen wir gegen 18:00 an.


Dienstag, 27.02.2024 (Stralsund und Rügen)

Heute ist es morgens neblig und nasskalt.

Wir entscheiden uns deshalb spontan für den Stadtbesuch von Stralsund, werden Rügen also für einige Stunden verlassen. Das Auto parken wir (als Franken) dort natürlich am Frankendamm. Dort gibt es einige unbewirtschaftete Parkplätze. In 20 Minuten gelangen wir – gemütlich spazierend – zum Ozeaneum.

Von dort aus spazieren wir in die Altstadt. Erste Ziele sind Rathaus und Marktplatz.

Wir essen beim Altstädter Mittagstisch, ein Geheimtipp zumindest für all diejenigen, die gut und preisgünstig, in einem wahrlich ganz besonderen Ambiente essen möchten. Backfisch mit Bratkartoffeln kann ich bedenkenlos empfehlen.

Anschließend statten wir dem Schallplattenladen Stralsund – die No. 1 im Nordosten – einen kurzen Besuch ab.

Außer auf den, ebenfalls nicht besonders freundlich wirkenden, Ladenbesitzer treffen wir auf keine weiteren Kunden.

Tatsächlich gibt es dort eine große und feine Auswahl an Vinyl, die wenigsten Schallplatten sind preislich ausgezeichnet. Bei den Scheiben, die einen Preisaufkleber tragen, kann ich nahezu durchweg ein überhöhtes Preisniveau feststellen. Es fehlt offensichtlich weit und breit an Konkurrenz.

Wir schlendern zum Auto und fahren zurück auf die Insel Rügen, konkret nach Puttbus.

Diesen Ort hatten Uschi und ich bereits im August 2021 besucht. Heute scheint er wie ausgestorben. Nach dem kurzen Stadtspaziergang kehren wir im Rosencafe ein. Dort gönne ich mir einen Milchkaffee und ein Stück Torte (Mousse au Chocolat). Das Mittagessen braucht schließlich Gesellschaft.

Im Rosencafé von Puttbus auf Rügen

Danach noch ein kleiner Spaziergang durch den Park bei immer noch nebliger Stimmung. Die Situation erinnert mich etwas an die Rosenhöhe in Darmstadt.

Bei einer besonderen Lichtstimmung brechen wir zum Quartier auf. Die beiden nachfolgenden Bilder sind – hinter Sagard – vom Beifahrersitz aus durch die Windschutzscheibe aufgenommen worden.


Mittwoch, 28.02.2024 (Rügen)

Das Wetter scheint heute morgen zumindest etwas besser als gestern. Nach dem Frühstück – mit Brötchen von der empfehlenswerten Bäckerei Arndt – geht es nach Lohme.

Vom innerörtlichen Parkplatz laufen wir zunächst auf dem Hochuferweg in Richtung Königsstuhl, den wir schon aufgrund des extrem matschigen Zustandes dieses topografisch höchst interessanten Wanderweges nicht erreichen werden.

Nach einiger Zeit wechseln wir auf den unteren Uferweg, dann direkt ans steinige Ufer der Ostseee. Schon bald kommen wir am kleinen Jachthafen von Lohme an. Hier hat derzeit alles geschlossen, auch das Cafe Niedlich mit Blick auf die Ostsee.

Wir gönnen uns stattdessen eine kleine Kaffeepause in der Bäckerei Arndt. Die Schwarzwälder-Kirschtorte ist sehr zu empfehlen.

Am späten Nachmittag machen wir einen schönen und ausgiebigen Strandspaziergang. Die Health-App des iPhones bestätigt mir am Ende des Tages knapp 19.000 Schritte. Das ist doch völlig okay.


Donnerstag, 29.02.2024 (Rügen)

Bei schönem Wetter ist unser erstes Ziel das Areal um das ehemalige Schloss Dwasieden bei Sassnitz. Von dem Schloss ist nach seiner Sprengung und der militärischen Nutzung des Geländes während des zweiten Weltkrieges nicht mehr allzu viel übrig geblieben.

Es ist gegenwärtig ein begehrter Lost Place auf Rügen, der mir von Volker geografisch – nebst Parkplatz – sehr exakt beschrieben wurde.

Mehr Bilder von Lost Place Dwasieden

Danach fahren wir weiter in den Ort Sassnitz. Über die geschwungene Fußgängerbrücke landen wir am Hafen und laufen gemütlich zur Mole. Das obligatorische Fischbrötchen darf dabei als Stärkung unserer müden Knochen nicht fehlen. Über das Alte Sassnitz mit seiner typischen Bäderarchitektur gelangen wir zurück zum Auto.

Der Osterhase hat sich in einem Schaufenster von Sassnitz bereits angekündigt.

20240229 Ruegen © Gerald Langer 325 - Gerald Langer

Die Erdbeer-Buttercremetorte vom Bäcker Arndt – für den kleinen Hunger zwischendurch – ist ebenfalls vorzüglich.

20240229 Ruegen iPhone 12 © Gerald Langer 296 - Gerald Langer

Der anschließende Spaziergang in Richtung Schaabe lässt meinen Schrittzähler abermals fast die 19.000 Grenze erreichen. Was bin ich doch im Urlaub sportlich unterwegs!

Belohnen darf ich mich mit zwei Kugeln Eis, die Wiedergutamachung von mancher Unannehmlichkeit bei der Ankunft bei der Ostseeperle. Marius verzichtet aus Stolz. Ich gebe zu, dass das selbstproduzierte Eis deutlich besser schmeckt als der hier aufgebrühte Kaffee zum Frühstück. Ja, ich möchte es sogar empfehlen.


Freitag, 01.03.2024 (Rügen)

Es soll ein insgesamt eher trüber letzter Urlaubstag werden. Bei schönem Wetter hätten wir heute den Nordstrand angefahren. Wir entscheiden uns nun für Dranske am Vormittag.

Zunächst laufen wir dort in Richtung Bodden. Es schaut bei diesem etwas miesen Wetter schon trostlos aus. Ein Pärchen, welches gerade aus dem „Strandhotel“ kommt, frage ich, wo denn hier irgendetwas los sei. Wir erfahren, dass wir die Hauptstraße queren müssten, um zur Ostsee zu kommen.

Wir schlagen den vorgeschlagenen Weg ein und kommen schon bald zum etwas ruppigen Strand.

Einige unermüdliche Angler, bis weit über die Hüfte im Wasser stehend, versuchen erfolglos ihr Glück. Wir fragen, was man denn hier fangen könne und bekommen kurz und knapp als Antwort:

„Nüscht!“

Die Angelsaison beginne Anfang März und wenn man hier überhaupt etwas fangen würde, wären es Forellen.

Wir laufen langsam zum Auto zurück und fahren weiter in Richtung Wiek. Hier ist nahezu gar nichts los. Immerhin sehen wir einige Grundschüler, die von den Eltern abgeholt werden.

Nach einem wiederholten Zwischenstopp bei der Bäckerei Arndt, ziehen wir uns erst einmal ins Quartier zurück.

Oben: Mein letztes Stück „Schwarzwälder“

Gegen 15:00 starten wir zu unserem letzten Strandspaziergang. Abweichend von den Vortagen laufen wir nun nicht in westliche, sondern, auf Vorschlag von Marius, in östliche Richtung.

Eine sehr gute Entscheidung, kommen wir so doch an einem etwas „wilderen“ Strandabschnitt vorbei.

Am Abend fahren wir nochmals zum Daheim in Lohme. Es folgt quasi unser Abschiedsessen auf Rügen. Das Hamburger Schnitzel mit zwei Spiegeleiern auf Bratkartoffeln mundet.

Oben: Finales Hamburger Schnitzel beim Daheim

Heute komme ich leider nicht über 17.000 Schritte hinaus.


Samstag, 02.03.2024 (Heimfahrt über Rostock)

Um 9:00 brechen wir von unserem Quartier in Richtung Heimat auf. Es ist nass und neblig. So fällt der Abschied nicht allzu schwer.

Drive-by-shootings beim Abschied von Rügen

In Rostock legen wir bei meiner Tante einen dreistündigen Zwischenstopp ein. Schön, dass dieses kleine Familientreffen geklappt hat.

Gegen 20:30 liefert mich Marius wieder daheim ab. Ich war etwas schneller zurück als Uschi, die nur einige Minuten später vom Skiurlaub nach Hause kommt.


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