pCloud: Mein Warnhinweis vor diesem Cloud-Dienst

Ist pCloud ein seriöser Anbieter?

Seit geraumer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Cloud-Dienst, um meine zahlreichen Fotos zum einen sicher, zum anderen eben auch schnell und überall verfügbar, abspeichern zu können. Ich arbeite bereits mit diversen mobilen Festplatten und NAS-Systemen.

pCloud betreibt massiv Werbung in sozialen Netzwerken

Das Unternehmen pCloud mit Firmensitz in der Schweiz macht durch verführerische Werbung, z. B. via Facebook, ebenfalls seit vielen Jahren auf sich aufmerksam. Das war für mich Grund genug, diesen Dienst etwas näher unter die Lupe zu nehmen.

Hier geht es zum aktuellen Angebot.

pCloud: Firmensitz in der Schweiz

Das Unternehmen pCloud hat seinen Sitz unter folgender Adresse und gibt folgende Kontaktmöglichkeiten an:

pCloud International AG
74 Zugerstrasse
6340 Baar
Schweiz
E-Mail: info@pcloud.com
T.: +41 43 508 59 48

Ich empfehle dringend, sich die Immobilie, in der diese AG untergebracht ist, über Google Maps näher zu betrachten. Ich vermute, habe es aber nicht überprüft, dass es sich hier aus Steuer- und Datenschutzgründen mehr oder weniger um eine „Briefkastenfirma“ handeln dürfte. Es geht schlicht und ergreifend um das Land Schweiz, das für die meisten von uns zumindest ein gewisses Maß an Sicherheit und Verlässlichkeit suggeriert.

pCloud: Eintrag in Wikipedia

Auch in Wikipedia findet man einen Beitrag zum Cloud-Dienst mit dem Hinweis: „Die Neutralität dieses Artikels oder Abschnitts ist umstritten.“

Nachfolgend der Link zum Nachlesen dieses Beitrages:

https://de.wikipedia.org/wiki/PCloud

pCloud: Ein kostenloser Account als Einstieg

Vor einigen Monaten hatte ich bei diesem Anbieter versuchsweise einen kostenlosen Account angelegt, um verschiedene Funktionen zu testen. Diese Möglichkeit ist durchaus zu begrüßen, wenngleich nicht die maximalen 10GB zur Verfügung gestellt werden. Bei mir waren es am Ende 6GB, ausreichend viel, um zu probieren.

Die Suche in wenigen von mir hochgeladenen Dokumenten nach Schlagwörtern funktionierte, die Freigabe von Bildgalerien ohne Downloadmöglichkeit auch.

Monatelang hatte ich mit diesem Account nichts weiter angestellt, bis ich mich der aktuellen Werbekampagne für einen Familienplan nicht länger entziehen konnte.

Dennoch war ich unsicher, hatte ich auf www.trustpilot.de doch einige, wenig Vertrauen erweckende, Nutzermeinungen zum schweizerischen Cloud-Speicher und seinem Anbieter nachlesen können.

Deshalb schaute ich nochmals in die AGB von pCloud, die ich vor Monaten bereits studiert hatte.

Nachfolgend der Link für Interessierte, um sich bei der Lektüre selbst ein Bild zu machen:

https://www.pcloud.com/de/terms_and_conditions.html

Beim Durchlesen fielen mir dort einige Textpassagen auf, die mich als Kunden mehr oder weniger der Willkür dieses Unternehmens aussetzen würden.

Meine Nachfrage am 21.08.2023 um 17:37 – vor avisiertem Kauf – per Kontaktformular an den Kundensupport

Hier der Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren,

gerade wollte ich den Family-Lifetime-Plan abschließen und habe nochmals die AGB angesehen.

Folgende Passage halte ich für außerordentlich kritisch:

„Der Zugriff auf die Website und die Dienste ist vorübergehend gestattet und wir behalten uns das Recht vor, die Website oder die Dienste ohne Vorankündigung zurückzuziehen, zu ändern oder auszusetzen. Wir haften weder Ihnen noch Dritten gegenüber für die Nichtverfügbarkeit, Änderung, Aussetzung oder Rücknahme der Website oder Dienste oder von Funktionen, Teilen oder Inhalten der Website oder Dienste zu einem beliebigen Zeitpunkt und für einen beliebigen Zeitraum. PCloud unternimmt wirtschaftlich angemessene Anstrengungen, um sicherzustellen, dass der pCloud-Speicher verfügbar ist und Anfragen während mindestens 99,9 % jedes Kalenderjahres erfolgreich bearbeitet werden können….“

Für mich bedeutet dies, dass Sie den geschlossenen Vertrag jederzeit kündigen, mir als Kunde keinerlei Anspruch zustehen würde. Noch nicht einmal die Erstattung des Kaufpreises.

Das macht mich regelrecht fassungslos.

Würde mich freuen, wenn Sie sich zu diesem Thema zeitnah äußern würden.

Beste Grüße

Gerald Langer

Anmerkung:

Ich hatte bewusst etwas spitze Formulierungen gewählt, weil ich natürlich auch den Rest der AGB gelesen hatte, die den Nutzer:innen des Dienstes am Ende keinerlei Rechte gegen pCloud zugestehen.

Man muss nicht studierter Jurist sein, um zu erkennen, dass man hier sprichwörtlich über den Tisch gezogen wird.

Die Antwort von pCloud, ebenfalls per E-Mail, folgte eine Stunde später

Diese Antwort möchte ich hier als Screenshot präsentieren. Im unteren Bereich kann man auch noch meine E-Mail samt Sendezeitpunkt erkennen:

Auf meine Anfrage geht die Mitarbeiterin überhaupt nicht ein. Stattdessen wird mir pauschal ein Fehlverhalten unterstellt, das Vertragsverhältnis würde fristlos gekündigt.

Auf meinen Account habe ich unmittelbar nach der Mitteilung noch zugreifen können, auch die aktuelle Werbung zur günstigen Erweiterung des Speichervolumens erschien wieder. Welch Ironie!

Meine wenigen vertraulichen Dateien habe ich sofort gelöscht. Es waren überwiegend Bilder, einige pdf-Dateien, die ich kurz zu Testzwecken hochgeladen hatte. Gegen irgendwelche Richtlinien habe ich sicherlich nicht verstoßen.

Heute habe ich meinen Account, zu dem ich noch immer uneingeschränkt Zugang hatte, aufgelöst. Eine entsprechende Bestätigung per E-Mail liegt mir vor.

pCloud: Diesem Unternehmen sollte man eher mit Misstrauen als mit Vertrauen begegnen

Aufgrund meiner persönlichen Erfahrung kann ich jeden nur eindringlich warnen, diesen Dienst kostenpflichtig ohne Lektüre der AGB zu buchen. Von willkürlichen Eingriffen, Sperrungen und Verlust von Daten, auch von der Androhung dieser Maßnahmen, zu denen es bei pCloud bei meiner Recherche von Kundenmeinungen immer wieder kommt, möchte ich verschont bleiben. Einen solchen Dienst als Bezahldienst brauche ich definitiv nicht.

Wie stünde ich am Ende da, wenn ich bei diesem Cloud-Anbieter wirklich wichtige persönliche Daten abgelegt hätte, möglicherweise nur dort, weil ich meine Daten dort sicher wähnte?

pCloud: Meine persönliche Einschätzung des Dienstes

Über 18.000.000 User soll pCloud mittlerweile haben. So gibt es das Unternehmen auf der eigenen Website momentan an.

Ich betreibe hier keinen investigativen Journalismus. Doch bin ich mir sicher, dass es diesen Dienst schon bald nicht mehr in dieser Gesellschaftsform als Aktiengesellschaft geben wird. Hier wird sehr offensichtlich eine Strategie der hemmungslosen Kundenbindung mit dauerhaften Lockangeboten verfolgt.

Stichwort: Bauernfängerei!

Die angegebenen Basispreise der Abonnements waren bisher, soweit ich es beobachten konnte, nie wirklich relevant. Sie dienen nur dazu, zu suggerieren, dass es sich um unschlagbare Rabattangebote handelt. Lediglich der prozentuale Abschlag vom irrelvanten „Normalpreis“ variiert im Laufe des Jahres.

Hier nochmals der Link zu den Preisen:

https://www.pcloud.com/de/cloud-storage-pricing-plans.html?period=lifetime

Folgende, sehr pauschale, Hochrechnung:

18.000.000 User, so die Eigenangabe des Unternehmens, investierten bisher zumindest in das 500GB-Lifetime-Angebot. Der Preis liegt derzeit bei 199 Euro.

Das würde bedeuten, dass dieses Unternehmen seit 2014 bereits 3.600.000.000 Euro eingenommen hätte.

Ich halte den Dienst von pCloud für unseriös und würde jedem möglichen Kunden vor Vertragsabschluss raten, sich die AGB genauestens durchzulesen, bevor er sich hier vertraglich bindet.“ 

Für mich ist dieses Unternehmen am Ende keine ernsthafte Alternative zu anderen Diensten.

Ein Briefkasten in der Schweiz führt nicht gezwungenermaßen zu Seriosität. Die Schweiz ist in diesem Falle lediglich Blendwerk.

Und, kann ein normaler Kunde wirklich überprüfen, wo die Server tatsächlich stehen? Ich hatte als Wunschstandort die EU angegeben.

Die mich brüskierende, aber gleichermaßen auch enttarnende Reaktion des Unternehmens aufgrund meiner gestrigen Anfrage bezüglich meiner Kundenrechte lässt tief blicken in eine Unternehmensphilosophie, die nur eines will:

Ganz schnell zu ganz viel Geld kommen, dieses in Sicherheit bringen, um dann das Unternehmen gewinnbringend zu veräußern oder zu liquidieren.

Die geltenden AGB sind m. E. genau auf dieses Szenario ausgelegt.

Die großen Anbieter Apple, Microsoft oder Dropbox bieten derzeit weitaus seriösere Angebote als dieses fragwürdige Unternehmen aus Baar in der Schweiz.

© Gerald Langer


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