Sizilien – Lipari – Stromboli im Mai 1980

Reisebericht mit Bildergalerien


Sizilien – Lipari – Stromboli


Urlaub als Rucksacktourist mit dem Transalpino-Ticket.
Urlaubszeit: Mai 1980.

Das Leben ist in jungen Jahren oft noch vergleichsweise unkompliziert. Man stolpert regelrecht in manche Situationen hinein, die man sich vorher besser hätte anders überlegen sollen. Die Bundeswehr – der damalige Grundwehrdienst  – war daher eine sehr ambivalente Erfahrung für mich. Führte er einem tagsüber die Sinnlosigkeit mancher Tätigkeit vor Augen, deren Sinnhaftigkeit sich nur schwer mit dem damals noch herrschenden Kalten Krieg rechtfertigen liess. Dort gelebter Befehl und Gehorsam rückte bei mir nebenbei auch den ursprünglich gehegten Studienwunsch noch einmal zurecht.

„Das Hirn an der Wache abzugeben“ sollte nur das Motto weniger Monate sein

Der Wunsch nach Normalisierung des Alltags und nach „Ausbruch aus diesem tagsüber tristen Lebensabschnitt“ wuchs von Tag zu Tag.

Aber, auch manche, nunmehr bald 40 Jahre überdauernde Freundschaft, wurde dort geschlossen. Meinem Freund Michael, ebenfalls aus Kürnach stammend, wäre ich anderswo wahrscheinlich gar nicht begegnet.

Eingespannt in manchen winterlichen Wachdienst an Munitionsdepots der „Verteidigungsarmee“ liessen sich immerhin gemeinsame Urlaubspläne für das Frühjahr 1980 schmieden. Gerade beim Wachdienst stiess man ab und an auf Menschen, die sehr wohl gebildet waren und ihr Leben außerhalb der Kaserne sehr bewusst gestalteten. Auch wenn sie tagsüber ergebene uniformierte Befehlsempfänger und Befehlsgeber waren.

Urlaubsziel: Äolische Inseln

Unsere Idee, die Äolischen Inseln – weitestgehend mit dem sogenannten Transalpino-Ticket (ich habe einen damligen Preis von 179 DM in Erinnerung) – zu bereisen, wurde bei einem Wachdienst in Anwesenheit eines studierten Geologen geboren.

Allerdings hatten wir da im Vorfeld bereits die Ziele Höhenwanderweg GR 20 auf Korsika und die Besteigung des Mont Blanc gedanklich abgearbeitet. Auf dem Mont Blanc wäre ja schließlich auch Papst Pius XI schon gewesen, und das bereits 1890, also 90 Jahre zuvor.

Ich habe bis heute weder den Höhenwanderweg auf Korsika begangen, geschweige denn den Mont Blanc bestiegen. Halte dies aufgrund meiner weiter schwindenden Kondition künftig auch für unwahrscheinlich, ja geradezu unmöglich.

Die Äolischen Inseln haben wir damals allerdings zu einem Zeitpunkt bereist, als diese Region der nördlich vor Sizilien gelegenen Inselgruppe touristisch noch nahezu unerschlossen war. Erst später bekam ich mit, dass im Jahre 1949 schon Ingrid Bergman auf der Insel weilte, um unter der Regie von Roberto Rossellini das Melodram Stromboli zu drehen. Insofern haben wir damals als Unwissende die Gedenktafel auch gar nicht erst gesucht.

Unsere Bahnreise, die im weiteren Verlauf auch zur Schiffseise wurde, fand in der zweiten Maihälfte 1980 statt. Leider habe ich damals kein Tagebuch geführt. Insofern sind meine bzw. unsere Erinnerungen eher fragmantarischer Art. Höchste Zeit, dass ich meine Erinnerungen niederschreibe, bevor irgendwann der altersbedingte Gedächtnisverlust einsetzen wird.

Etappenziel: Florenz

Wir starteten mit dem Zug vom Würzburger Hauptbahnhof aus, stiegen in München um und fuhren mit der Bahn planmäßig bis Florenz weiter. Leider kann ich derzeit keine Bilder vom Aufenthalt in Florenz finden, ich suche aber weiter.

Florenz hatte uns jedenfalls begeistert. Zwei Nächte verbrachten wir in einer Jugendherberge, bevor es zuletzt mit einem Nachtzug – gestreikt wurde damals vom italienischen Bahnpersonal auch fleißig – mit einigen Unterbrechungen und Umsteigen bis nach Messina bzw. Milazzo weiterging.

Am frühen Morgen kamen wir dort an und genehmigten uns zunächst einen Cappucino. Michael sieht man auf einem der Fotos im Gartenlokal sitzen.

Die Fähre fuhr wenig später von Milazzo nach Lipari. Auch dort – ganz sicher sind wir nicht – hatten wir ein oder zwei Übernachtungen in einer, auf dem Hügel gelegenen, Jugendherberge mit wunderbarer Fernsicht vom vorgelagerten Garten aus. Man kann die Herberge zumindest auf einem vom Hafen aus gemachten Foto erkennen bzw. erahnen. Danach ging es mit einem größeren Fährschiff Richtung Stromboli weiter.

Stromboli – unvergesslich

Irgendwann in den frühen Abendstunden zeichnete sich die etwas im Nebel gelegene Basis des schwarzen Vulkankegels ab. Der Blick vom Schiff war bereits überwältigend. An Land ging es nach dem Umsteigen in kleinere Holzboote, die von Männern gerudert wurden, wie sie wohl nur Ernest Hemingway noch hätte detaillierter beschreiben können. Es gab noch keine richtige Anlegestelle an der Insel.

Der Strand war einsam, schwarz vom vulkanischen Sand. Wenig Betriebsamkeit auf der Insel. Wir brauchten dringend eine Übernachtungsmöglichkeit und fanden schnell ein Zimmer, direkt über einem Lokal gelegen und über die dortige Dachterrasse erschlossen. Die Dusche war es ebenfalls. Bei sehr schmalem Geldbeutel ist man ganz schnell bescheiden und weniger anspruchsvoll als man es heute ist.

Frühstück am nächsten Morgen draußen auf der Terrasse, danach Lebensmittel einkaufen und dann begleitet von einem Hündchen, das sich uns an die Fersen geheftet hatte, mit unserem gesamten Gepäck, welches in zwei funkelnagelneuen Rucksäcken der Marke Karrimor untergebracht war, in der prallen Mittagssonne hinauf auf den Gipfel des Vulkans.

Zwei unerschrockene „Backpacker“ näherten sich einem nachhaltig beeindruckenden Naturschauspiel. Nach Stunden endlich auf dem Gipfel angekommen, schauten wir seitlich in den Schlund des sehr aktiven Vulkans, der alle paar Minuten seine Lava ausspuckte, die größtenteils ins Meer fiel.

Was für großartige Bilder. Ich hatte nur zu wenig Diafilme dabei, insofern war ich sehr sparsam beim Auslösen der Kamera. Auf dem Gipfel trafen wir noch (wenige) andere Begeisterte. Einer von ihnen hatte gleich zwei Spiegelreflex-Kameras auf Stativen montiert. Ich war zu diesem Zeitpunkt fotografischer Anfänger, hatte meine Minolta XG 2 mit 50 mm-Normalobjektiv zu Weihnachten 1979 von meinen Eltern geschenkt bekommen. Diese Kamera liegt noch heute bei mir im Schrank, war bis zuletzt – vor Beginn der Ära der digitalen Fotografie – voll funktionsfähig.

Auf dem Gipfel schlugen wir das mitgebrachte Zelt auf, aßen irgendeine Dosensuppe und waren einfach nur glücklich, dem überaus aktiven Vulkan vor dieser unglaublichen Szenerie mit dem weiten Meer am Horizont zusehen zu dürfen. Angst hatten wir nicht. Zu einer größeren Eruption sollte es schließlich erst 2003 kommen.

Am nächsten Morgen wurden wir bereits zum Sonnenaufgang wach, hörten allerdings die Vulkanaktivitäten die ganze Nacht über, genossen noch einige Zeit in exklusiver Umgebung, bevor wir das Zelt abbauten und wieder hinabstiegen.

Rückriese via Neapel

Eine etwas bessere Bleibe gönnten wir uns denn auch – beim Hotel Villaggio Stromboli. Am nächsten Tag ging es mit einer Nachfähre bei sehr ordentlichem Wellengang – mir war etwas flau im Magen – über Neapel, wir kamen dort in den frühen Morgenstunden an, weiter nach Rom. Es dürfte die Woche nach Pfingsten gewesen sein. Der Petersplatz bot noch Sitzmöglichkeiten. Wir sammelten erste Eindrücke in der „Ewigen Stadt“ nicht nur im Bereich Vatikan, sondern auch des Forum Romanums, der Engelsbrücke, des Colloseums, des Olympiageländes, von dem ich meine, dass es in der Nähe unsere Jugendherberge lag.

Von Rom aus reiste ich alleine via München weiter.

Michael plante noch einen Kurzaufenthalt in Perugia, der italiensichen Stadt, in der er ab Herbst 1980 sein Studium aufnehmen würde.

Mein Weg in München führt zunächst in einen Plattenladen, bei dem ich das gerade erschienene Album Peter Gabriel III als deutschsprachige Version (Games Without Frontiers – Spiel ohne Grenzen, vielleicht erinnert sich noch jemand an diesen damaligen Hit des Briten, der bei weitem zwar nicht sein bester Song war, aber massig Airplay erfuhr) erwarb. Sicherlich war dies im Nachhinein betrachtet kein typisches Mitbringsel aus Sizilien, aber dennoch für einen Fan von P.G. von unschätzbarem Wert.

Der Urlaub mit Michael auf Sizilien war wunderbar und ist beinahe vierzig Jahre später noch immer ein Erlebnis, das ich hoffentlich weiterhin so intensiv im Gedächtnis behalten werde. Jetzt ist es zumindest schriftlich fixiert.

Wiederholen kann man Geschichte nicht. Michael war wenige Jahre später nochmals auf Stromboli, Änderungen touristischer Art waren bereits feststellbar. Heute kommt man offensichtlich nur noch in begleiteter und organisierter Form in die Nähe des Vulkans. So, wie wir den STROMBOLI damals erleben durften, wird es wohl nie mehr möglich sein.

Was ist bloß aus dem kleinen Jungen neben Michael geworden, den wir – wie ich glaube – im Hafen von Lipari angetroffen haben, als wir unser Weißbrot bei einer Flasche Ilbesheimer Herrlich verspeisten, während die von Wind und Wetter gezeichneten Fischer ihr Netz flickten?

Hinweis für die Fotografen:

Die nachfolgenden Fotos sind allesamt – natürlich nachbearbeitete – Diascans meiner Minolta XG 2.


Unsere Ankunft Messina – Milazzo


Über Lipari zum Stromboli


Der Stromboli


Über Rom wieder nach Hause


Last Updated on 1. Oktober 2022 by gerald

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