Frankfurt am Main: Westhafen (27.02.2026)

Frankfurt am Main

Vom Hauptbahnhof zum Westhafen

Datum: 27.01.2026
Kamera: Canon R6 MK2 mit Canon RF 24-105mm F4L IS USM


Inhaltsverzeichnis


Heute fahre ich wieder einmal mit dem Deutschlandticket nach Frankfurt, um mir den Westhafen anzusehen. Vom Hauptbahnhof ist dieses Areal gar nicht weit entfernt.

Streiks im ÖPNV sind für heute angesagt. Ich sehe dennoch einige Linienbusse, die Passagiere transportieren. Allerdings möchte ich ohnehin etwas spazieren gehen.

Lageplan (Google Maps)

Hier kann man sich einen Überblick verschaffen:

Westhafen Frankfurt

Der Westhafen in Frankfurt am Main gilt als exemplarische Transformation eines ehemaligen Güterhafens zu einem zeitgemäßen innerstädtischen Quartier für Wohnen und Arbeiten am Fluss. Seine Entwicklung verbindet städtebauliche Leitbilder der 1990er Jahre mit einer markanten Architektursprache, die vor allem durch das Architekturbüro schneider+schumacher und weitere Büros geprägt wurde.

Vom Güterhafen zum Stadtquartier

Ausgangspunkt war der Funktionsverlust des Westhafens als Umschlagplatz, wodurch große, mindergenutzte Flächen am nördlichen Mainufer frei wurden. Unter dem Motto „Wohnen und Arbeiten am Fluss“ sollte dieser Bereich in ein gemischt genutztes Quartier überführt werden, das die Innenstadt stärkt, ohne neue Flächen an der Peripherie zu versiegeln.

Die Stadt Frankfurt initiierte hierfür einen kombinierten Wettbewerb, der städtebaulichen Entwurf und Organisationsmodell einer Public-Private-Partnership zusammenführte. Ziel war ein lebendiges, wirtschaftlich tragfähiges Viertel mit hoher baulicher Qualität statt kurzsichtiger Flächenmaximierung.

Die Leitentscheidungen „Qualität vor Quantität“ und „Optimierung des Ensembles vor Gewinnmaximierung“ prägten den gesamten Entwicklungsprozess. Damit wurde städtebaulich ein Rahmen gesetzt, der architektonische Vielfalt zuließ, gleichzeitig aber klare Vorgaben zu Baukörpern, Höhenentwicklung und Freiräumen definierte. Die Neunutzung stärkt die Kernstadt, da sie Wohnen, Büroarbeit und Freizeitnutzungen in fußläufiger Nähe zur Innenstadt neu verknüpft

Städtebauliches Konzept und Freiräume

Der Westhafen gliedert sich um das ehemalige Hafenbecken, das als identitätsstiftendes Motiv erhalten blieb. Entlang des Beckens ziehen sich Wohn- und Bürogebäude, die mit Uferpromenaden und Balkonen auf die besondere Lage reagieren. Vom Main aus entwickelt sich das neue Stadtgebiet aus einem Grünzug heraus, der das rechte Mainufer von Osten nach Westen begleitet und am Westhafenplatz einen markanten Auftakt findet. Dieser Platz bildet die Schnittstelle zwischen Flusslandschaft, Hafenareal und dem Verdichtungsbereich der Innenstadt

Wichtig war die Vernetzung mit bestehenden Grünräumen am nördlichen Mainufer, die perspektivisch bis hin zum Sommerhoffpark gestärkt werden soll.

Der Westhafenplatz fungiert als Gelenk im Freiraumsystem rund um den Hafen. Die kleinteilige Parzellierung und die Mischung von Wohn- und Bürotypologien sorgen für ein differenziertes Stadtbild und beleben das Quartier über den Tag hinaus.

Schlüsselbauwerke und beteiligte Architekten

Zentral für die Identität des Quartiers ist das Ensemble am Westhafenplatz, bestehend aus Westhafen Tower, Westhafen-Haus, Westhafen-Brückengebäude und Westhafen-Pier.

Es markiert den Eingang in das neue Stadtquartier und übersetzt das Motiv des Stadttors an den Fluss. Projektarchitekten des städtebaulichen Gesamtkonzepts und der prägenden Bauten waren Till Schneider und Michael Schumacher vom Büro schneider+schumacher. Sie verantworteten insbesondere den Westhafen Tower, der bereits 2004 fertiggestellt wurde und seither als weithin sichtbares Wahrzeichen des Quartiers gilt.

Ein weiteres wichtiges Gebäude ist das Torhaus Westhafen von Prof. Christoph Mäckler Architekten, das um 2004 realisiert wurde. Es artikuliert die stadträumliche Schwelle vom Gutleutviertel zum Hafenareal und betont das Leitbild eines klassischen, urbanen Blocks mit klarer Straßenkante.

Neben diesen Hauptakteuren ergänzen weitere Büros das Gesamtbild, insbesondere in den Wohn- und Bürobauten entlang des Beckens; im Vordergrund steht jedoch das orchestrierte Zusammenspiel innerhalb des städtebaulichen Rahmens.

Der Westhafen Tower als Ikone

Der Westhafen Tower ist ein 112,3 Meter hohes Bürohochhaus im Gutleutviertel, direkt am Hafenbecken gelegen. Entworfen von schneider+schumacher, besteht er aus übereinander gestapelten, nahezu quadratischen Geschossen, die von einer zylindrischen Fassade ummantelt werden – eine bauliche „Quadratur des Kreises“. Die kreisförmige Außenkontur minimiert die Fassadenfläche und nutzt die Grundfläche effizient, während die quadratischen Ebenen flexible Grundrisse erlauben.

Besonders prägend ist die rautenartige Glasfassade aus 3.556 dreieckigen Scheiben, die an das Frankfurter Apfelweinglas erinnert und dem Turm im Volksmund den Namen „Geripptes“ eingebracht hat.

Ein Teil der Dreieckssegmente lässt sich an der unteren Ecke automatisch öffnen und erlaubt natürliche Lüftung, ergänzt durch Konvektoren unter den Fenstern und Kühldecken in den Büros.

Städtebauliche Bedeutung

Städtebaulich markiert der Westhafen Tower einen wichtigen Eingang in die Stadt und signalisiert die neue Nutzung des ehemaligen Hafenareals. Zusammen mit den angrenzenden Bauten bildet er einen vertikalen Akzent am nördlichen Mainufer, der die Silhouette Frankfurts westlich der Innenstadt ergänzt. Das Quartier demonstriert, wie Hafenflächen durch eine Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Freiraum zu urbanen Lebensräumen umgewandelt werden können, ohne die industrielle Vergangenheit zu negieren.

Die Entwicklung des Westhafens zeigt exemplarisch, wie konsequente Qualitätsziele, ein klarer städtebaulicher Rahmen und die Zusammenarbeit profilierter Architekturbüros ein ehemals monofunktionales Areal in ein vielfältiges Stadtstück verwandeln können. So ist ein Quartier entstanden, das den Main als öffentlichen Raum zurückerobert und zugleich ein neues architektonisches Gesicht für den westlichen Stadteingang Frankfurts formuliert.



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