Mainfranken Theater Würzburg: Desaströse Planlosigkeit auch noch im Herbst 2026

Tagebuch - Mainfranken Theater Würzburg

Mainfranken Theater Würzburg – ein nahezu unvorstellbares Planungsdisaster mit davon galoppierenden Gesamtkosten

Zum Bericht in der Main Post vom 30.09.2026

Quelle: https://www.mainpost.de/franken/wuerzburg-mainfranken-theater-sanierung-kostet-242-millionen-euro-stadt-veroeffentlicht-offizielle-kostenschaetzung-1-115401548


Dass es um die Planung und bauliche Umsetzung des ambitionierten Hochbauprojektes Mainfranken Theater Würzburg nicht zum Besten bestellt ist, dürfte mittlerweile auch der letzte Würzburger mitbekommen haben.

Eine der Mitteilungen im vergangenen Jahr war vergleichsweise positiv, nachdem sich der Bauherr im letzten Jahr – endlich und schon längst überfällig – zum Einsatz eines Projektsteuerers durchgerungen hatte.

Hier der Link zu meinem damaligen Beitrag:

https://geraldlanger.de/mainfranken-theater-wuerzburg-projektsteuerung

Die Mutmaßungen zur aktuellen Kostenentwicklung des Projektes Mainfranken Theater Würzburg dauern seitdem an.

Der aktuelle Beitrag in der Main Post versucht die nunmehr im Raum stehenden – immer noch geschätzten – Gesamtbaukosten in Höhe von 242 Millionen Euro zu erklären.

Ich will es deutlich sagen:

Dieses ambitionierte Projekt erschien mir und wahrscheinlich jedem, der sich mit dem Thema etwas auseinandergesetzt hat, noch nie auch nur ansatzweise wirtschaftlich.

Die abschnittsweise Abwicklung des Um- und Erweiterungsbaues am Standort des alten Theaters war eine fundamentale Fehlentscheidung.

Der komplette Abriss des Altbaues, die Entsorgung belasteter Bauteile und die Planung eines Neubaues an diesem Standort mit deutlich besser kalkulierbaren Kosten wäre zu dem Zeitpunkt, als man sich im Jahre 2018 seitens des Stadtrates für die von den Planern vorgelegte kostenintensivste bauliche Alternative entschied, die logische Konsequenz gewesen.

Ein Umbau dieser Größe birgt immer – vor allem, wenn die Bausubstanz im Vorfeld der Planung möglicherweise nicht ausreichend gewissenhaft untersucht wurde oder untersucht werden konnte – hohe Kostenrisiken. Eine 90 bis 100-prozentige Kostensicherheit wird es hier niemals geben können.

Wenn natürlich der „Nutzer vor Ort“, sprich der Geschäftsführende Direktor am Mainfranken Theater Würzburg, Dreh- und Angelpunkt und primärer Ansprechpartner für die Planung ist, darf man sich nicht wundern, wenn dieses Projekt – da hilft dann auch dessen volkswirtschaftliches Studium wenig – aus vielerlei Gründen derart in den Graben gefahren wird.

„Bauen mit öffentlichen Mitteln ist eben kein Wunschkonzert!“

Nicht alles, was wünschenswert ist, kann man sich als Vertreter des Bauherrn auch leisten.

Der gesamte Projektorganisation auf Seiten des Bauherrn hat meines Erachtens nie zur Komplexität des neuen Mainfranken Theaters Würzburg gepasst, da die eigene Bauverwaltung der Stadt – aus welchen Gründen auch immer – nicht entsprechend eingebunden wurde.

Ich habe jedenfalls noch nie etwas von einer entsprechenden Projektgruppe bei einem derart schwierigen Hochbauprojekt der Stadt Würzburg lesen können. Auch der amtierende Stadtbaurat scheint außen vor zu sein.

Zurück zum Projekt:

Man hat offensichtlich immer noch keine abgeschlossene Ausführungsplanung und damit auch keine Kostenberechnung, die auf verpreisten Leistungsverzeichnissen beruht.

Insofern darf man die im Raum stehenden vorläufigen 242 Millionen Euro als alarmierende Zwischenmeldung bezeichnen. Spätestens jetzt ist akuter Handlungsbedarf seitens des Bauherrn angezeigt.

Wenn man dieses Projekt in dieser Form weiterlaufen lässt, droht ein noch größeres Disaster, als das, was bereits eingetreten ist.

Die Stadt Würzburg darf doch nicht erwarten, dass am Ende der Fördermittelgeber Freistaat Bayern in die Bresche springt und dieses unverantwortliche Vorgehen mit Unmengen an Steuermitteln subventioniert.

Woher will man denn die Finanzmittel für die ebenfalls ins Auge gefasste, bereits vorgeplante Multifunktionsarena, ein weiteres Großprojekt, das offensichtlich eine Mehrheit des Stadtrates als Fürsprecher hinter sich weiß, nehmen?

Die Kostenentwicklung beim Mainfranken Theater Würzburg zeigt, dass es kein „Weiter so“ mehr geben darf.

Eine Kostenexplosion auf das mittlerweile mehr als Dreifache (!!!) der ursprünglich veranschlagten Kosten ist schwer vermittelbar, auch nicht unter Verweis auf erheblich gestiegene Lohn- und Materialkosten.

Entspricht das, was bisher gebaut wurde, überhaupt noch der ursprünglichen Planung, die das Förderverfahren durchlaufen hat? Gibt es hier bereits kostentreibende Abweichungen?

Liegt der bisherigen, offensichtlich noch immer rudimentären Ausführungsplanung, noch das ursprüngliche Planungskonzept zugrunde?

Der Bauherr und seiner Planer sollten dringend – in Abstimmung mit den Fördermittelgebern – nochmals in die Konzept- und Entwurfsplanung einsteigen und schauen, inwiefern die Planung ggf. so modifiziert werden kann, dass am Ende immer noch ein funktionsfähiges neues Mainfranken Theater Würzburg herauskommt, aber man gleichzeitig auf Entbehrliches verzichtet.

Ende des Jahres 2025 hatte man offensichtlich bereits nahezu 80 Millionen Euro in dieses Projekt investiert. Das neuen Mainfranken Theater Würzburg sollte ursprünglich bei insgesamt etwas mehr als 70 Millionen Euro Gesamtkosten liegen und bereits fertiggestellt sein.

Es klingt natürlich zunächst verwegen, wenn man einzelne Stimmen aus dem Stadtrat hört, man solle zum jetzigen Zeitpunkt den Abriss des Theaters prüfen. Aber Denkverbote, auch in Bezug auf diese zunächst absurd erscheinende Variante, sollte es nicht geben.

Die Kostenentwicklung des Projektes seit der Startphase, siehe hierzu den aktuellen Artikel der Main Post, zeigt, dass das Mainfranken Theater Würzburg dem Bauherrn und seinen Planungsbeteiligten völlig entglitten ist.

Wie kann man einen Stadtrat noch im Juni 2026 die Akzeptanz einer Kostensteigerung auf 135 Millionen Euro beschließen lassen und nur wenige Monate später diesem Gremium Gesamtkosten von über 242 Millionen Euro oder gar noch mehr präsentieren?

Mit derartigen, die finanzielle Situation verschleiernden, Aktionen machen sich der Bauherr und die von ihm beauftragten Projektbeteiligten am Mainfranken Theater Würzburg schlichtweg unglaubwürdig.

Mein Erfahrungsbereich ist primär der Staatliche Hochbau in Bayern, den ich einige Jahrzehnte in unterschiedlichen Funktionen betreiben durfte.

Und rückblickend darf ich feststellen, dass ich in den vielen Jahren, die ich in diesem Bereich beschäftigt war, derartig eklatante Entgleisungen, wie sie beim Mainfranken Theater Würzburg nach und nach zu Tage treten, in ganz Bayern nicht beobachten konnte.

Das ist, um Missverständnisse zu vermeiden, gewiss nicht mein persönlicher Verdienst, sondern der Verdienst aller in diesem Bereich beschäftigter Kolleginnen und Kollegen, egal auf welcher Verwaltungsebene. Es geht schließlich um den verantwortungsvollen Umgang mit Steuermitteln!

Natürlich nervt ab und dann der mehrstufige Verwaltungsaufbau, er kostet manchmal auch etwas mehr Zeit, aber das „Mehraugenprinzip“ hat schon auch Vorteile, wenn es um das Hinterfragen von Planungskonzepten und damit einhergehender Kosten geht.

Nahezu kein Projekt bleibt dabei exakt im Kosten- und Zeitrahmen.

Wer baut, weiß, was alles passieren kann und welche Unwägbarkeiten eintreten können.

Auch „der Fluch der ersten Zahl“, der ersten verwaltungsinternen oder öffentlichen Mitteilung der voraussichtlichen Kosten eines Projektes, ist mir durchaus geläufig. An dieser Zahl wird der Bauherr bzw. die Bauverwaltung regelmäßig gemessen.

Nun gilt es die Stellungnahme des Oberbürgermeisters in der nächsten Woche abzuwarten. Die Gesamtkosten in Höhe von 242 Millionen für das Mainfranken Theater Würzburg wollte oder konnte er offensichtlich (noch) nicht bestätigen.

Ins aktuelle Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler hat es das Würzburger Projekt schon mal geschafft.

Gratulieren möchte ich zu diesem fragwürdigen Erfolg nicht!


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