Lisette Model
Thema: Fotografie
Zeitraum: 18.03. – 05.07.2026
Ort: Kunstfoyer der Kulturstiftung Versicherungskammer
Kunstfoyer
Thierschplatz 6
80538 München
Telefon: 089 / 2160 2244
Eintritt: frei
Website: https://www.versicherungskammer-kulturstiftung.de
Kamera: iPhone 15 Pro Max

Inhaltsverzeichnis
Mein Besuch der Ausstellung am 18.05.2026
Ganz nebenbei eine Ausstellung entdecken, sie besuchen und dann auch noch begeistert, sogar motiviert sein. Das ist ganz nach meinem Geschmack.
Mit Tochter und Enkelkind im Kinderwagen bin ich im Münchner Lehel unterwegs. Unsere Wege sollen sich nur kurz trennen.
Da entdecke ich auch schon das Kunstfoyer und schaue reflexartig nach der aktuell laufenden Ausstellung. Das Plakat mit der üppigen Dame im Badeanzug weist darauf hin, dass es im Gegensatz zum letzten Ausstellungsbesuch des Kunstfoyers mit Fotografien von Helmut Newton bei den Fotos von Lisette Model weniger um die Welt der Schönen und Reichen geht, sondern um die ganz „normalen“ Menschen.
Die SW-Fotografien begeistern mich. Die im Nebenraum gezeigte filmische Dokumentation sollte man sich nicht entgehen lassen. Sie erklärt nicht nur die Vita der Fotografin, sondern auch die Arbeitsweise.
Lisette Models Fotografie war durch radikale Direktheit und Unmittelbarkeit geprägt – sowohl beim Fotografieren als auch im Labor. Sie arbeitete vorrangig mit einer Rolleiflex, einer Mittelformat-Kamera im 6 × 6 cm-Format, die an einem Riemen um ihren Hals baumelte und damit unauffällig in der Hand oder am Körper getragen werden konnte. Dank des TLR-Designs (zwei Objektive: eines zum Suchen, eines zum Belichten) konnte sie durch den oberen Sucher fotografieren, ohne ihre Position stark zu verändern und ohne dass das Motiv sofort merkte, dass es abgelichtet wurde. Sie schoß quasi aus der Hüfte. Das ermöglichte ihr, nahezu unbemerkt durch die Straßen von Paris, Nizza und später New York zu schleichen und besondere Momente einzufangen.
Lisette Model inszenierte nicht. Stattdessen wartete sie auf den Moment, in dem sich Geste, Blick und Komposition zu einem Punkt der Spannung verdichteten. Das Mittelformat lieferte ihr dabei deutlich höhere Auflösung und Schärfe als Kleinbild, was ihre späteren Großabzüge im Labor erst möglich machte.
Sie arbeitete oft mit hohem Kontrast, ohne natürliche Lichtverhältnisse künstlich zu beschönigen. Blitz aus der Hand, harte Schatten und grobkörnige Strukturen waren für sie keine Fehler, sondern Ausdrucksmittel. Was viele als „unperfekt“ empfanden, war für Model Teil der Wahrheit des Bildes. Davon kann man sich in der Münchner Ausstellung überzeugen.
Im Labor setzte sie ihre Ästhetik konsequent fort. Sie entwickelte ihre Negative selbst und gestaltete die Abzüge mit großer Handschrift. Ihre Vergrößerungen sind oft kontrastreich, mit tiefen Schwarztönen und scharfen Lichtern. Sie verengte den Bildausschnitt radikal, kürzte unangenehme Details weg und betonte stattdessen das Wesentliche. Sie experimentierte mit Tonungen und ließ die Körnung sichtbar. Das Labor war kein Ort bloß technischer Reproduktion, sondern ein kreativer Raum, in dem das Bild erst vollständig wurde.
Keine falsche Höflichkeit gegenüber der Pose, keine Rücksicht auf das Schönheitsideal, sondern eine Fotografie, die unmittelbar, physisch und emotional aus dem Inneren heraus entsteht. Diese Haltung zeigte sich in jedem Schritt – vom ersten Blick durch den Sucher der Rolleiflex bis zur letzten Hand am Vergrößerer im verdunkelten Labor.
Lisette Model gehört zu den prägendsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts. Ihre Bilder sind direkt, unbequem, oft witzig und immer von einem wachen Blick auf das urbane Leben geprägt.
Die Ausstellung im Kunstfoyer der Bayerischen Versicherungskammer in München macht diese Haltung nun in einer konzentrierten Auswahl sichtbar und zeigt, warum ihre Fotografie bis heute so aktuell wirkt.
Lisette Model hatte somit großen Einfluß auf das, was wir heute als Street Photography bezeichnen.
Eine Fotografin mit Haltung
Lisette Model wurde 1901 in Wien geboren und starb 1983 in New York; ihr Lebensweg führte sie von Wien über Paris in die USA. Bevor sie ganz zur Fotografie fand, studierte sie Musik, was vielleicht erklärt, warum ihr Blick auf Rhythmus, Spannung und Form so präzise wirkt. In den USA etablierte sie sich als Fotografin und Lehrerin, beeinflusste die dokumentarische und street photography nachhaltig und prägte mit ihrer Arbeit und ihren Schülern ganze Generationen.
Model fotografierte nie aus sicherer Distanz. Sie ging dicht an ihre Motive heran, suchte Gesichter, Gesten und soziale Reibungen und machte damit das zufällige, oft unbequeme Alltagsleben zum Thema. Gerade diese Nähe, die manchmal fast konfrontativ wirkt, verleiht ihren Bildern ihre Kraft.
Der Blick auf die Stadt
Das Zentrum von Models Werk ist das urbane Leben: Straßen, Promenaden, Cafés, Lokale, Menschen im Vorübergehen, Reiche und Arme, Selbstdarsteller und Unsichtbare. Besonders bekannt wurden Serien aus Nizza und New York, in denen sie die Eigenheiten des öffentlichen Lebens mit großer Direktheit festhielt. Ihre Fotografien sind keine glatten Beobachtungen, sondern dichte Momentaufnahmen menschlicher Präsenz.
Gerade darin liegt ihre Modernität. Model zeigt nicht die Stadt als Postkartenmotiv, sondern als sozialen Raum voller Spannungen, Eitelkeiten und Verletzlichkeiten. Sie interessiert sich für das, was Menschen verrät: Körperhaltung, Blick, Kleidung, Übertreibung, Unsicherheit. So wird jedes Bild zu einer kleinen Studie über Charakter und Gesellschaft.
Die Münchner Ausstellung
Im Kunstfoyer der Versicherungskammer Kulturstiftung zeigt München seit dem 18. März 2026 eine Ausstellung mit zentralen Werkgruppen und ikonischen Fotografien von Lisette Model. Die Schau ist bis zum 5. Juli 2026 angekündigt und bietet laut Ankündigung eine konzentrierte Auswahl, die Models kompromisslosen Blick und ihren nachhaltigen Einfluss erfahrbar macht.
Ergänzt wird die Ausstellung durch Führungen mit dem Fotohistoriker Hans-Michael Koetzle an ausgewählten Freitagen; die Rundgänge beginnen jeweils um 18 Uhr und sind kostenfrei. Außerdem gibt es eine virtuelle 360-Grad-Tour durch die Ausstellung, was den Zugang auch für ein Publikum erleichtert, das nicht persönlich nach München kommen kann.
Warum sie wichtig bleibt
Lisette Model ist keine Fotografin für gefällige Antworten, sondern für scharfe Beobachtung. Ihre Bilder zeigen Menschen nicht idealisiert, sondern in ihrer Eigenart, manchmal auch in ihrer Lächerlichkeit oder Verletzlichkeit, ohne dabei den Respekt zu verlieren. Genau diese Mischung aus Härte und Empathie macht ihre Arbeit so zeitlos.
Ihr Einfluss reicht weit über ihre eigenen Aufnahmen hinaus. Als Lehrerin prägte sie unter anderem Diane Arbus und wirkte damit auf die Entwicklung der Nachkriegsfotografie in den USA ein. Wer ihre Bilder heute sieht, erkennt schnell, wie stark sie das Verständnis von Dokumentarfotografie verändert hat: weg vom bloßen Abbild, hin zu einer pointierten, persönlichen Sicht auf die Wirklichkeit.
Ein Blick für das Unbequeme
Die Ausstellung im Kunstfoyer ist deshalb mehr als ein Rückblick auf eine historische Position. Sie zeigt eine Künstlerin, die das Alltägliche mit unbestechlicher Aufmerksamkeit betrachtete und daraus Bilder von großer psychologischer Wucht formte. In einer Zeit, in der Fotos oft schnell konsumiert werden, erinnert Lisette Model daran, wie intensiv ein einziger, präzise gesetzter Blick sein kann.
Wer sich für Fotografie, Stadtleben und die Geschichte der modernen Bildsprache interessiert, findet hier eine Ausstellung, die nicht bloß schöne Motive präsentiert, sondern eine ganze Haltung zur Welt. Lisette Model bleibt aktuell, weil ihre Bilder uns zwingen, genauer hinzusehen.
Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erschienen, der vor Ort oder im Buchhandel erworben werden kann.
Bilder einer Ausstellung


















































Fotografie (Bildersammlung)

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Hier gewinnt man einen Einblick in die Fotografie von Lisette Model.