United by Jazz | München 2026

United by Jazz

Thema: Jazz
Zeitraum: 17.04. – 12.07.2026
Ort: Pasinger Fabrik / Galerie 1-3, August-Exter-Str. 1, 81245 München
Telefon: 089 82929011


Öffentliche Verkehrsmittel

Die Pasinger Fabrik befindet sich direkt am Nordausgang des Pasinger Bahnhofs.
Sie erreichen uns vom Marienplatz in 12 Minuten mit den S-Bahn-Linien 3, 4, 6 und 8.


Website: https://pasinger-fabrik.de
Kamera: iPhone 15 Pro Max


united by jazz


Bericht zur Ausstellung

Die Ausstellung in der Galerie 1–3 der Pasinger Fabrik verbindet Fotografie, Objektkunst, Typografie, Klang und Installation zu einem interdisziplinären Parcours rund um Jazz und seine Wirkung in der Kunst.

„United by Jazz“ in der Pasinger Fabrik ist keine Ausstellung, die Jazz bloß illustrieren will. Sie nimmt den Musikstil als Haltung, als ästhetische Energie und als kulturelles Prinzip, das weit über den Konzertsaal hinausreicht, ernst.

Schon der Titel setzt den Ton:

Hier geht es um Verbindung, Reibung, Improvisation und um die Frage, warum Jazz Künstler:innen seit Jahrzehnten als Inspirationsquelle dient.

Die Ausstellung ist dabei erfreulich vielschichtig aufgebaut. Statt linearer Geschichtserzählung oder bloßer Werkfolge entsteht ein offener Raum, in dem fotografische, klangliche, künstlerische und typografische Formate nebeneinander stehen und sich gegenseitig kommentieren.

Stark ist vor allem die kuratorische Entscheidung, Jazz nicht nur als Stilgeschichte zu behandeln, sondern als kulturelle Bewegung mit politischer und ästhetischer Sprengkraft. Die Schau schlägt einen Bogen von den 1920er- und 1930er-Jahren über Bebop, Free Jazz und Nachkriegsmoderne bis in die Gegenwart. Dadurch wird nachvollziehbar, warum Jazz für viele Künstler:innen mehr als ein Motiv ist: Er steht für Freiheit, Risiko, Unverfügbarkeit und die Lust, Formen immer wieder neu zu verhandeln.

Der Münchner Bezug ist ein zusätzlicher Gewinn. Eine eigene Sektion widmet sich Jazzorten, Labels und Themen der Münchner Szene, wodurch die Ausstellung aus der reinen Weltgeschichte heraus in die lokale Kulturgeschichte zurückholt.

Das wirkt nicht wie ein lokaler Anhang, sondern wie eine nötige Verankerung: Jazz ist hier nicht nur amerikanisches Erbe oder internationaler Mythos, sondern auch städtische Praxis, Szene, Netzwerk und Erinnerung.

Auch die räumliche Dramaturgie überzeugt. Hörstationen bringen die Schau buchstäblich zum Klingen und verhindern, dass die Ausstellung in einem rein visuellen Diskurs steckenbleibt. Gerade diese Verbindung von Materialität und Immaterialität ist ein Gewinn:

Jazz ist flüchtig, Kunstwerke sind gegenständlich, und genau daraus entsteht die Spannung, die „United by Jazz“ produktiv macht.

Der Blick auf aktuelle künstlerische Positionen zeigt, wie offen das Thema geblieben ist und wie unterschiedlich es heute bearbeitet werden kann. Dass dabei Fotografie, Typografie, Objekt und Installation gleichberechtigt auftreten, verhindert jede museale Schwere. Die Schau wirkt eher wie ein lebendiger Knotenpunkt als wie ein abgeschlossenes Kapitel Kunstgeschichte.

Beteiligte Künstler:innen

Zu sehen sind in der Ausstellung „United by Jazz“ von Anouk Lamm Anouk, Ralf Dombrowski, Maxim Fomenko, Gregor Hildebrandt, Sebastian Kuhn, David Mesa, Mike Meyer, Dieter Rehm, Julia Schewalie, Logan T. Sibrel, Ursula Sonnenwald, Michael Steiner, Kun Su und Milen Till.

Zur Vernissage am 17. April spielten Tom Reinbrecht (sax) und Henning Sieverts (b).

United by Jazz – Konzertereihe

Parallel zur laufenden Ausstellung findet eine Konzertreihe statt.

Auf den Bühnen der Pasinger Fabrik begegnen sich Künstler und Künstlerinnen, um in arrangiertem Rahmen überraschende Geschichten zu erzählen und interdisziplinäre Erfahrungen zu ermöglichen.

Auftreten werden Chris Gall und Peter Gall  (28. April), das Eva Moreno Trio (3. Mai), Sinfonia de Carnaval (6. Mai)Mulo Francel und  Tim Collins (17. Mai)Simon Popp und Anna Martens (20. Mai), REN/NER und Svetlana Marichenko bei NIQ Exchange (10. Juni), das Erik Leuthäuser Quartett (13. Juni) sowie Stefanie Boltz und Nenad Uskokovic (20. Juni).

Öffnungszeiten und Eintritt

Di – Sa 15.00 – 19.00 Uhr
So 14.00 – 18.00 Uhr

Eintritt: 6,- € / 4,- €
Führung: 5,- €

Karten für die Ausstellungen erhalten Sie direkt am Eingang zu den Ausstellungsräumen im Obergeschoss.

Ausstellungsführung und Film

Di, 21.04.2026  18.00 Uhr
Kurator Stefan-Maria Mittendorf M.A. führt durch die Ausstellung.
Im Anschluss wird der Film Pollock von und mit Ed Harris, 123 Min., 2000 gezeigt

Ausstellungsführung – Vom Klang der Bilder

Di, 09.06.2026  18.00 Uhr
Kurator Stefan-Maria Mittendorf M.A. führt durch die Ausstellung.
Eintritt: 6,- € / 4,- €
Führung: 5,- €

Credits

Idee und Konzept: Stefan-Maria Mittendorf M.A.
KuratorInnen: Stefan-Maria Mittendorf M.A. und Annette Hempfling
Fachliche Mitarbeit: Ralf Dombrowski, Oliver Hochkeppel

Form und Wirkung

Ich hatte das Privileg, die Vernissage am 17.04.2026 besuchen zu dürfen. Das Interesse war ausgesprochen groß. Hoffen wir, dass es in den nächsten Monaten so bleibt. Mein Fokus liegt auf der Fotografie. Konzertfotografie betreibe ich selbst seit Jahren. Einige sehr schöne Konzertfotos kann man in der Ausstellung betrachten. Die für mich wahren Hingucker sind die großformatigen Fotografien von Michael Steiner. Die unglaublich ansprechenden Portraits – gerade im Erdgeschoß, am Fuße der Ausstellungsräume – können sich hier so richtig entfalten. Eigentlich sollten sie hier hängenbleiben.

Dass die Ausstellung bis 12. Juli läuft, gibt ihr die notwendige Zeit, sich nicht als bloßes Eröffnungsereignis zu erschöpfen. In Kombination mit der Konzertreihe wird daraus ein Format, das Ausstellung und Aufführung sinnvoll verschränkt. Wer sich für Jazz interessiert, erlebt hier nicht nur eine Huldigung des Genres, sondern eine präzise gebaute Reflexion darüber, wie Kunst, Klang und urbane Kultur einander befruchten.

Unterm Strich ist „United by Jazz“ eine kluge, sinnlich dichte und kulturhistorisch aufgeladene Ausstellung, die ihrem Thema gerecht wird, ohne es zu verengen. Sie zeigt, dass Jazz nicht nur Musik ist, sondern eine Denkform, ein Bildreservoir und ein offenes Versprechen auf Freiheit.

Gerade in München, wo die eigene Jazzgeschichte mitverhandelt wird, entfaltet das Projekt zusätzliche Relevanz.


United By Jazz – Bilder einer Ausstellung


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