TONY RIZZI: WORK HARD, DON’T LIE, AND TRY NOT TO HURT ANYBODY
Ausstellungslaufzeit: 19. September – 17. Januar 2027
Eröffnung: Freitag, 18. September 2026, 19 Uhr
Ausstellungsort: Fotografie Forum Frankfurt
Eine Werkschau zwischen Tanz, Körper und Fotografie
Das Fotografie Forum Frankfurt (FFF) zeigt ab dem 19. September 2026 die bislang umfangreichste Ausstellung des US-amerikanischen Tänzers, Choreografen und Fotokünstlers Tony Rizzi.
Unter dem Titel „WORK HARD, DON’T LIE, AND TRY NOT TO HURT ANYBODY“ – einem Zitat aus Rizzis Tagebuch von 1985 – vereint die von Prof. Celina Lunsford kuratierte Schau frühe Schwarzweißfotografien, Polaroids, groß- und kleinformatige Foto-Collagen, Videos sowie Rauminstallationen aus mehreren Jahrzehnten seines Schaffens.
Ein Künstler zwischen zwei Welten
Tony Rizzi, der seit 40 Jahren in Frankfurt lebt und arbeitet, wurde 2025 vom Magazin TANZ in der jährlichen Kritikerumfrage zum besten Tänzer Europas nominiert. Seine fotografische Praxis begann Mitte der 1980er Jahre und dokumentiert seither Menschen, Begegnungen und Performances mit einem besonderen Blick auf queere Kultur und Gemeinschaften jenseits des Mainstreams.
Seine Arbeiten halten flüchtige Momente von Schönheit, Begehren und Zugehörigkeit fest und verhandeln Themen wie Identität, Körperlichkeit, Sexualität und Beziehungen.
Das visuelle Universum eines Tänzers
Die Ausstellung umspannt Rizzis gesamtes fotografisches Schaffen bis heute.
Von frühen Schwarzweißfotografien aus den 1980er Jahren über seine charakteristischen Polaroid-Collagen bis hin zu großformatigen Montagen in verschiedenen Druckverfahren und Videoarbeiten, mit denen er seit 2025 neue Wege erprobt.
Ein Teil seiner Wohnung, die wie ein Archiv und kleines Museum aussieht, wird in die Ausstellung integriert, was den Besucherinnen und Besuchern einen besonders intimen Zugang zu Rizzis Universum eröffnet.
Die Ausstellung bietet einen umfassenden Einblick in sein visuelles Schaffen. Dabei wird immer wieder deutlich, wie Rizzis Erfahrung als Tänzer und Choreograf seine fotografische Praxis prägt.
Der Körper steht im Zentrum, Bewegung wird dokumentiert, Gestik und Mimik werden zu erzählerischen Elementen.
Katalog
Begleitend zur Ausstellung erscheint ein neues Buch, das im Fotografie Forum Frankfurt erhältlich sein wird.
Fazit
Tony Rizzis Werkschau im FFF ist mehr als eine Retrospektive fotografischer Arbeiten. Sie ist quasi ein immersiver Zugang zu einem Künstler, der seit vier Jahrzehnten zwischen Tanz und Fotografie, zwischen Dokumentation und Inszenierung, zwischen Mainstream und Subkultur navigiert.
Die Ausstellung bietet nicht nur einen umfassenden Überblick über sein Schaffen, sondern auch einen seltenen Einblick in die Arbeitsweise eines Künstlers, der sein Leben und seine Kunst untrennbar miteinander verwoben hat.
Mir persönlich gefallen seine Bildcollagen besonders gut. Es gelingt ihm bei diesen Arbeiten hervorragend, eine Vielzahl von kleinen Fotos zu einem neuen großen Bild mit ganz eigener Ästhetik zu formen.

© TONY RIZZI „Before And After“

© TONY RIZZI „Baustelle Oper Frankfurt am Main“
Auch gezeigte Videoinstallationen – insbesondere der Umgang mit Symmetrien – sind sehr reizvoll.


Sehr beeindruckend auch die Bildcollage seiner im Sterben liegenden Mutter.
Hier tritt die Kabelfernbedienung ihres Bettes in den Dialog mit einem ihrer Hausschuhe, mit denen sie „das letzte Mal den Boden der Erde betreten hat“.
Ich habe hier auf eine Abbildung verzichtet. Zu persönlich erscheinen mir die Fotografien.
Bei allem extrovertierten Auftreten während des gemeinsamen Rundganges kann man immer wieder aus Neue erkennen, dass Tony Rizzi stets mit wachen Augen durch das Leben geht und eine entsprechende Sensibilität für den Moment entwickelt hat. Es geht ihm vordergründig nicht um die Ästhetik eines einzelnen Fotos, sondern darum, wie sich alles in seinem Leben fügt.
© Gerald Langer
Bilder einer Ausstellung











Pressetext (18.09.2026)
Frankfurt am Main, 18.09.2026
»Nun beginnt mein Leben in Frankfurt. Ich mag es hier sehr und es fühlt sich so an, als ob ich hier hingehöre. Ich habe das Gefühl, dass ständig eine beschützende Präsenz an meiner Seite ist … Seltsam … Arbeite hart, lüge nicht und versuche, niemanden zu verletzen.«
Tony Rizzi, 7. September 1985
Dieses Zitat rahmt die bislang umfangreichste Ausstellung des renommierten US-amerikanischen Tänzers, Choreografen und Fotokünstlers Tony Rizzi (*1965).
Erstmals ermöglicht die Schau einen tiefen Einblick in Rizzis intuitive fotografische Praxis.
Von seinen frühen Schwarz-Weiß-Fotografien, über die charakteristischen Polaroids und Fotocollagen bis hin zu den aktuellen Videoarbeiten veranschaulichen die Werke seine künstlerische Vielseitigkeit. In seinen Fotografien von Menschen, Performances, Liebesbeziehungen, Familie und queeren Communities zeigt sich Rizzis Leidenschaft, ganz im Moment zu sein.
Als Rizzi zum Ballett Frankfurt unter der Leitung von William Forsythe kam, begann er ein Leben in einer Stadt, deren Motto »Kultur für alle« lautete und in der künstlerische Experimente und internationaler Austausch einen hohen Stellenwert hatten. Ausgehend von seiner internationalen Arbeit im Tanz wurde die Fotografie für Rizzi zu einem weiteren kreativen Prozess, um sich mit anderen zu verbinden.
Besonders in den Schwarz-Weiß-Fotografien aus den 1980er- und 1990er-Jahren, die einen Blick hinter die Kulissen des Ballett Frankfurt gewähren und Aufführungen wie persönliche Erfahrungen festhalten, begegnen wir einem Stück Geschichte. Zugleich ist bis heute die tiefe Verbundenheit und Fürsorge innerhalb dieser Tanzgemeinschaft spürbar.
Rizzis Fotografien erzählen von persönlichen Beziehungen zu Liebhabern, Freund*innen und Kolleg*innen zu Hause oder auf Tournee. Sie zeigen zahlreiche Selbstporträts, ironische und spielerische Momente ebenso wie emotional aufgeladene Situationen, in denen sich existentielle Fragen spiegeln wie sein Leben mit Aids. Auch die lebendige LGBTIQA+ Szene und das Alltagsleben in Frankfurt finden darin ihren Platz.
Flüchtige Begegnungen – Partys, erotische Momente, Lachanfälle, die Angst vor Verlust und vor dem Tod – werden in Bilder von bemerkenswerter Intimität verwandelt. Dabei verbindet sich das Persönliche mit grundlegenden Fragen nach Gemeinschaft und danach, wie wir zusammenleben.
Dazu schreibt Celina Lunsford, Kuratorin der Ausstellung, in ihrem Katalog-Essay: »Jeder Impuls zum Fotografieren ist ein Moment des Auges, des Verstandes und des Herzens. Die vielfältigen Kompositionen sind Ausdruck des Werdens. Für ihn ähneln sich Performance und Fotografie darin, dass sie zur Auseinandersetzung mit der Conditio humana anregen, eine emotionale Verbindung herstellen und das Geschehene sowie die Anwesenden festhalten.«
Ein wichtiges Kapitel in Tony Rizzis Fotoarbeiten ist seiner Familie gewidmet, vor allem seinem persönlichen und künstlerischen Verhältnis zu seiner Mutter Verna. Sie stand nicht nur an Rizzis Seite als Schauspielerin in seinem Tanzstück »Snowman Sinking«, das 2000 im Künstlerhaus Mousonturm uraufgeführt wurde, sondern wurde auch immer wieder zum Sujet seiner Fotografien – zuletzt 2026 für eine großformatige Collage. Beide Arbeiten sind in der Ausstellung zu sehen.
Inspiriert von der Wohnung des Künstlers im Bahnhofsviertel wählte die Kuratorin zwei wichtige Räume aus, um sie für diese Schau zu inszenieren. Die Installation »Living Room«, bestehend aus über 6.000 Polaroids, wird hier erstmals öffentlich präsentiert. Und auch Tony Rizzis Küche darf nicht fehlen – als eine Art autobiografischer Ausstellungsraum, der von Rizzis Geschichten erzählt und zugleich seine Leidenschaft als Koch sichtbar macht.
»Tony ist faszinierend. Er ist witzig, interessiert, einfühlsam, unendlich neugierig und weiß instinktiv, wie er euch dazu bringt, noch einmal hinzuschauen.« Was Tamàs Gèza Moricz, ehemaliger Tänzer am Ballett Frankfurt, in seinem Essay als persönliche Eigenschaft beschreibt, wird in Rizzis Fotografien zu einer künstlerischen Haltung: das Bedürfnis, genauer hinzusehen, den Moment in seiner ganzen Intensität zu spüren und das Erfahrene im Bild festzuhalten.
Für das Projekt TONY RIZZI. WORK HARD, DON’T LIE, AND TRY NOT TO HURT ANYBODY hat Celina Lunsford das über 10.000 Bilder umfassende Archiv des Künstlers intensiv erforscht und in enger Zusammenarbeit mit Tony Rizzi die Ausstellung konzipiert.
Begleitend zur Ausstellung erscheint die erste Monografie des Künstlers. Die als limitierte Edition erscheinende Publikation vereint fotografische Arbeiten aus der Zeit von 1986 bis heute und Texte von William Forsythe, Celina Lunsford, Tamàs Gèza Moricz und Tony Rizzi.
Die Gestaltung übernahm das Studio Markus Weisbeck, Frankfurt.
Pressetext (24.06.2026)
»Now I begin my life in Frankfurt. I really like it here and feel like I should be here. I feel a protective person by me at all times…strange. WORK HARD, DON’T LIE AND TRY NOT TO HURT ANYBODY.«
Auszug aus Tony Rizzi’s Tagebuch (7. September 1985)
Dieses Zitat rahmt die bislang umfangreichste Ausstellung des renommierten US-amerikanischen Tänzers, Choreografen und Fotokünstlers Tony Rizzi, der seit 40 Jahren in Frankfurt lebt und arbeitet. 2025 wurde er vom Magazin TANZ in der jährlichen Kritikerumfrage zum besten Tänzer Europas nominiert.
Kuratiert von Prof. Celina Lunsford, künstlerische Leiterin des FFF, vereint die Schau frühe Schwarzweißfotografien, Polaroids, groß- und kleinformatige Foto-Collagen, Videos, sowie Rauminstallationen aus mehreren Jahrzehnten seines Schaffens.
Die Arbeiten von Tony Rizzi zeichnen sich durch einen mutigen und zugleich sensiblen Umgang mit dem Medium Fotografie aus. Seine Polaroid-Collagen schaffen einzigartige Tableaus über den Wandel der Zeit, den menschlichen Körper, Bewegung und Form – geprägt vom selben Arbeitsprinzip wie sein Tanz: Anpassungen der Wiederholung, der Impuls der Intuition, Technik und gelebte Erfahrung. Sowohl in Selbstporträts wie auch in ausdruckstarken und oft ironischen Aufnahmen von Familienmitgliedern, Liebhabern und Weggefährt*innen aus der Frankfurter Tanz- und Kulturszene erkundet er Fragen von Identität, Zugehörigkeit und Selbstbestimmung.
Die Ausstellung umspannt damit Rizzis gesamtes fotografisches Schaffen bis heute: von frühen Schwarzweißfotografien aus 1980er Jahren, über seine charakteristischen Polaroid-Collagen bis hin zu großformatigen Montagen realisiert in verschiedenen Druckverfahren und Videoarbeiten, mit denen er seit 2025 neue Wege erprobt.
Tony Rizzis fotografische Begegnungen öffnen Räume für Erfahrungen, Intimität, Diversität und Empathie – und laden die Besucher*innen dazu ein, Lebensrealitäten jenseits normativer Zuschreibungen wahrzunehmen und neu zu betrachten. Nach seiner Ankunft in Frankfurt waren es die Fotografie und der Tanz, die ihm sowohl soziale Integration als auch emotionalen Selbstausdruck ermöglichten – über Sprachbarrieren hinweg.
Für das Projekt hat Celina Lunsford das über 10.000 Bilder umfassende Archiv des Künstlers intensiv erforscht und in enger Zusammenarbeit mit Tony Rizzi die Ausstellung konzipiert. Begleitend zur Ausstellung ist die erste Monografie des Künstlers in Planung.
Zur Person
Tony Rizzi, geboren 1965 in Dedham nahe Boston, erhielt seine Ausbildung an der Boston Ballet School, u. a. unter den legendären New York City Ballet-Tänzer*innen Violette Verdy und Bruce Wells. 1985 kam er nach Frankfurt, wo er bis 2003 als Tänzer und künstlerischer Assistent beim Ballett Frankfurt unter der künstlerischen Leitung von William Forsythe wirkte.
Parallel entwickelte er ein eigenständiges choreografisches Werk: 1995 schuf er gemeinsam mit Forsythe und Dana Caspersen „Firstext“ für das Royal Ballet London; weitere Choreografien entstanden u. a. für das Bayerische Staatsballett und das Gärtnerplatz Tanztheater München.
Von 1999 bis 2023 war er als Hauptdarsteller in zahlreichen Produktionen von Troubleyn / Jan Fabre tätig, darunter die 24-stündige Performance »Mount Olympus«. 2012 spielte er die junge Marina Abramović in Robert Wilsons »The Life and Death of Marina Abramović« auf internationaler Tournee.
Mit seiner eigenen Compagnie ›Tony Rizzi and the Bad Habits‹ entwickelt er seit 2000 eigene Tanzproduktionen, die regelmäßig am Mousonturm Frankfurt und am Gallus Theater uraufgeführt werden. Internationale Tourneen führten ihn u. a. nach Montreal, Wien, Tokio, New York und Oslo.
Seit Ende der 1980er Jahre ist Rizzi als Fotokünstler tätig. Seine Werke wurden u. a. im Frankfurter Kunstverein, in der Oper Frankfurt, im Mousonturm, im Kunstverein Hamburg, Platform Sarai, Frankfurt am Main, im MUMOK Wien, und im Mori Art Museum Tokio gezeigt und sind international in Sammlungen vertreten.
© FFF – Pressetext
Rahmenprogramm | TONY RIZZI
SA, 19.09., 15.00 Uhr GALERIERUNDGANG mit TONY RIZZI sowie CELINA LUNSFORD und ANDREA HORVAY
FR, 23.10., 18.00 Uhr TALK »BALLET FRANKFURT AND THE CONCEPT OF SOCIAL CHOREOGRAPHY« mit STEVE VALK und TONY RIZZI
SA/SO, 31.10./01.11., 10.00–14.00 Uhr WORKSHOP » THE MOVEMENT IN OURSELVES AND OTHERS: GESTURES, BODY LANGUAGE AND MOVING IN FRONT OF THE CAMERA« mit TONY RIZZI
MI, 04.11., 18.00 Uhr TALK »LET’S TALK ABOUT COCK« mit SNEŽANA GOLUBOVIĆ und TONY RIZZI
DI, 29.09., 20.10., 24.11.2026 und 12.01.2027, 15.00 Uhr KURATORINNEN-FÜHRUNGEN mit CELINA LUNSFORD oder ANDREA HORVAY
DI, 03.11.; SO, 06.12.; DO, 14.01., 11.00–18.00 Uhr TONY IS IN THE HOUSE – treffen Sie den Künstler in der Ausstellung
Workshop Highlights der FFF AKADEMIE
FR, 25.09., 18.00 UHR VORTRAG »SPECULATION AND COLLABORATION: DOCUMENTARY PRACTICE BETWEEN TRUTH AND FICTION« mit MAX PINCKERS
FR–MO, 25.–28.09., 10.00–17.00 Uhr MASTERCLASS WORKSHOP »SPECULATIVE DOCUMENTARY PHOTOGRAPHY« mit MAX PINCKERS
SA, 10.10., 14.00–17.30 Uhr CITY-WALK-WORKSHOP »EYES ON FRANKFURT – SPURENSUCHE« mit MARKUS SEIBEL
Anschrift FFF
Fotografie Forum Frankfurt (FFF)
Braubachstraße 30–32
60311 Frankfurt am Main
Telefon +49 (0) 69 29 17 26
Telefax +49 (0) 69 28 639
E-Mail: contact@fffrankfurt.org
Öffnungszeiten und Eintritt
Öffentliche Führungen immer mittwochs, 17 Uhr
Öffnungszeiten Di–So 11–18 Uhr, Mo geschlossen
Eintritt regulär 8 Euro, ermäßigt 5 Euro
Fotografie Forum Frankfurt – Die Institution
Das Fotografie Forum Frankfurt (FFF) gehört zu den führenden eigenständigen Zentren für Fotografie in Europa. Als Ausstellungsort, Institution und Veranstaltungsforum vermittelt das FFF alle Aspekte von Fotografie. Seit der Gründung im Jahr 1984 wurden rund 300 Ausstellungen mit historischen und zeitgenössischen Positionen gezeigt. Das Programm der FFF AKADEMIE umfasst regelmäßige Workshops, Vorträge und Gespräche mit international renommierten Fotograf*innen, Künstler*innen und Expert*innen. Fotografie Forum Frankfurt ist Organisationspartner der internationale RAY Triennale der Fotografie, die in verschiedenen Ausstellungshäusern in Frankfurt/Rhein-Main stattfindet.
Fotografie Forum Frankfurt wird gefördert durch Förderkreis Fotografie Forum Frankfurt e.V., Stadt Frankfurt am Main, FUJIFILM Electronic Imaging Europe und Hauck, Aufhäuser, Lampe.
Weitere Infos unter www.fffrankfurt.org
Lies den Bericht über die Wim Wenders Ausstellung in Frankfurt