Der Ostfriedhof in München
Datum: 30.12.2025
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Während einer kurzen Abwesenheit unserer Tochter dürfen die Großeltern das Enkelkind über den benachbarten Ostfriedhof kutschieren. Es ist schon etwas ganz besonderes, ausgerechnet mit dem Kinderwagen diesen eindrucksvollen Ort zu besuchen.
Der Ostfriedhof in München ist schließlich einer der bedeutendsten historischen Friedhöfe der Stadt und bildet zugleich eine grüne Oase im dicht bebauten Obergiesing. Seine Mischung aus großstädtischer Friedhofsarchitektur, stillen Baumgruppen und einer vielschichtigen Erinnerungskultur macht ihn zu einer einzigartigen Stätte.
Angelegt wurden die „Auer Leichenäcker“ bereits 1817 an der Tegernseer Landstraße; sie bildeten den Keim für den späteren Ostfriedhof, der mit dem Wachstum Münchens im 19. Jahrhundert schrittweise erweitert wurde.
Zwischen 1899 und 1907 entwarf der Stadtbaurat Hans Grässel eine großzügige neue Anlage, in die er ältere Flächen integrierte und sie zu einem der großen Münchner Hauptfriedhöfe ausbaute.
1900 wurde der Ostfriedhof offiziell eröffnet und übernahm fortan eine zentrale Rolle in der Bestattungskultur der sich rasch entwickelnden Großstadt.
Architektonischer Schwerpunkt ist die monumentale Aussegnungshalle mit Kuppel am St.-Martins-Platz.
Nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage unter anderem durch Hans Döllgast zurückhaltend wiederaufgebaut, wobei der historische Charakter bewusst bewahrt, aber nicht historistisch rekonstruiert wurde.
Der Ostfriedhof ist zugleich ein wichtiger Erinnerungsort der Münchner und deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts.
Im städtischen Krematorium, das 1929 in seiner heutigen Gestalt eröffnet wurde, wurden während der NS-Zeit die Leichen tausender Regimegegner eingeäschert, deren Asche oft namenlos verstreut wurde.
Zugleich fanden hier prominente Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Stadtgesellschaft ihre letzte Ruhe, wodurch der Friedhof zu einem Spiegelbild unterschiedlichster Münchner Biografien wurde.
Trotz dieser historischen Schwere wirkt der Ostfriedhof heute vor allem als ruhiger, von alten Bäumen gesäumter Landschaftsraum. Die klar gegliederten Wegachsen und dichten Pflanzungen schaffen eine Atmosphäre, die Besucherinnen und Besucher zum Innehalten, Nachdenken und zu stillen Spaziergängen einlädt.
So verbindet der Ostfriedhof in München eindrücklich Naturerlebnis, Architektur und Erinnerung und bleibt bis heute ein lebendiger Bestandteil der Münchner Stadtkultur.
Einige Anmerkungen zur Bildergalerie:
Das Foto mit Gitarre zeigt das Grab von Peter Horton, das mit den vielen Käfern das der „Käfer-Dynastie„.
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