London (06/2006)

Reisezeit: 10.06. – 17.06.2006
Website:
https://de.wikipedia.org/wiki/London



London: Eine Städtereise mit Familie

Mehr als zwanzig Jahre liegt dieser Urlaub zurück. Beim Sichten der Bilder sind einige Erinnerungen zurückgekehrt. Gerade die Familienbilder, die ich hier nicht poste, zeigen, dass die Zeit an uns allen nicht spurlos vorbeigegangen ist. Die Eltern sind alt geworden, die Kinder erwachsen.

Wir hatten die Reise ausgerechnet für den Zeitraum gebucht, als das „Sommermärchen“ – die Fußball-WM im eigenen Land, bei der Deutschland einen ehrenvollen dritten Platz belegen sollte – beginnen sollte.

Wir flogen am Samstagnachmittag von Frankfurt am Main. Leider hatten wir nicht bedacht, dass aufgrund eines hier stattfindenden ersten Gruppenspiels ein regelrechtes Verkehrschaos ausbrechen sollte. Zur Autogarage, wo unser Auto für eine Woche stehen sollte, fanden wir am Ende doch noch rechtzeitig. Am späten Nachmittag kamen wir schließlich in London an und kämpften uns durch zu unserem Quartier in Notting Hill. Verdammt warm war es jedenfalls.


10.06.2006

Der Flug von Frankfurt am Main nach London Heathrow

20060610 London IMG 0522 © Gerald Langer 21 - Gerald Langer


Am Abend in Kensington Gardens

Nachdem wir unser Gepäck abgelegt hatten, wagten wir noch einen Spaziergang durch Kensington Gardens. Es war immer noch hochsommerlich warm, aber möglicherweise kühler als unser Zimmer in Notting Hill.

Londons königliche Oase

Kensington Gardens gehört zu den acht (!) Royal Parks Londons und verbindet auf rund 107 Hektar königliche Geschichte, gestaltete Landschaften und öffentliche Erholung.

Geschichte und Entstehung

Ursprünglich war das Gebiet Teil des Hyde Park, den Heinrich VIII. im 16. Jahrhundert als Jagdgrund anlegte. Ende des 17. Jahrhunderts kauften König William III. und Königin Mary II. das Nottingham House in Kensington, ließen es von Christopher Wren zum Kensington Palace erweitern und gliederten einen privaten Palastgarten aus Hyde Park aus.

Unter Queen Anne sowie später Queen Caroline wurde der Park systematisch zu einem Landschaftsgarten umgestaltet. Caroline trennte diese „Gardens“ 1728 endgültig von Hyde Park und ließ den Serpentine-Stausee sowie das Long Water anlegen.

Im 19. Jahrhundert fügte Queen Victoria die Italian Gardens und das Albert Memorial hinzu.

Architektur, Denkmäler und Highlights

Das Herzstück ist Kensington Palace, Geburtsort von Queen Victoria und ehemalige Residenz von Prinzessin Diana. Heute wohnen hier der Duke und die Duchess of Cambridge, während Teile des Palasts museal zugänglich sind.

Am südöstlichen Rand erhebt sich das opulente Albert Memorial, ein neugotisches Denkmal für Prince Albert gegenüber der Royal Albert Hall. Zu den bekanntesten Attraktionen zählen die Peter-Pan-Statue, das Princess of Wales Memorial Playground mit Piratenschiff, die Serpentine Gallery am Long Water sowie die Italian Gardens.

Nutzung und Atmosphäre

Kensington Gardens ist täglich für die Öffentlichkeit zugänglich und wird von Jogger:innen, Familien und Tourist:innen genutzt. Die sorgfältig gepflegten Rasenflächen, Alleen und Wasserpartien verleihen dem Park trotz seiner zentralen Lage eine intime Stimmung, um vorübergehend dem Treiben der Großstadt zu entkommen.

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Unser vorübergehendes Zuhause in Notting Hill

Von außen sah es toller aus, als es tatsächlich im Inneren zu bieten hatte.

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11.06.2006

Petticoat Lane Market in Whitechapel

Der Petticoat Lane Market ist ein historischer Straßenmarkt im Londoner East End, der sich auf die Middlesex Street und die Wentworth Street im Gebiet Spitalfields/Whitechapel konzentriert.

Die ursprüngliche „Peticote Lane“ wurde im 19. Jahrhundert in Middlesex Street umbenannt; die viktorianischen Behörden hielten den alten Namen für zu anzüglich. Der Markt blieb jedoch lokal als „Petticoat Lane“ oder einfach „The Lane“ bekannt.

Die textilhandwerklichen Wurzeln des Markts gehen auf die hugenottischen Weber und Färber zurück, die sich ab dem 17. Jahrhundert im East End niederließen; später kamen osteuropäische jüdische Händler hinzu, die vor Verfolgung flohen.

Der Markt bietet nicht nur Mode, Kleidung, Textilien und Lederwaren, mit Stoffgeschäften, sondern auch Streetfood.

Der große Sonntagsmarkt erstreckt sich über die Middlesex Street und mehrere Nebenstraßen (Cobb, Leyden, New Goulston, Old Castle, Strype, Toynbee, Goulston, Wentworth). Unter der Woche findet er im reduzierten Format statt.


Bankenviertel in der City Of London

Natürlich hatte mich diese Gebäude in Form einer „Gewürzgurke“ sofort angesprochen. Wir näherten uns dem Gebäude, betraten es aber nicht.

The Gherkin: Norman Fosters ökologisches Hochhaus in London

The Gherkin, offiziell 30 St Mary Axe, ist ein 180 Meter hoher Wolkenkratzer im Finanzviertel City of London und eines der markantesten Beispiele zeitgenössischer Architektur. Entworfen wurde das Gebäude von Norman Foster und Ken Shuttleworth vom Büro Foster + Partners und zwischen 2001 und 2004 erbaut.

Architektur und Nachhaltigkeit

Das turmartige, zigarrenförmige Hochhaus mit seiner geschwungenen Glasfassade gilt als Londons erstes ökologisches Hochhaus. Die aerodynamische Form reduziert Windbelastung und Reflexionen, während spiralförmige Lichtschächte („lightwells“) für natürliche Belüftung und maximale Tageslichtausbeute sorgen. Dadurch konnte der Energiebedarf für Klimaanlagen und künstliche Beleuchtung erheblich gesenkt werden.

Bedeutung und Auszeichnungen

Auf 41 Etagen bietet The Gherkin rund 46.400 Quadratmeter Bürofläche, ergänzt durch eine Ladenpassage im Erdgeschoss und eine verglaste Aussichtskuppel im obersten Stockwerk. Das Gebäude erhielt 2004 den renommierten Stirling Prize des Royal Institute of British Architects und gilt als Symbol für Innovation, Nachhaltigkeit und wirtschaftlichen Aufschwung.

Mit seiner charakteristischen Form prägt The Gherkin bis heute die Skyline Londons und steht als Ikone für Fosters Vision einer verantwortungsvollen, technologisch fortschrittlichen Architektur.


Lloyd’s Bank

Das Lloyd’s Building an der Lime Street in der Londoner City ist ein architektonisches Wahrzeichen und gilt als jüngstes Bauwerk Großbritanniens mit dem höchsten Denkmalschutzstatus Grade I.

Entworfen vom britischen Architekten Lord Richard Rogers und 1986 von Königin Elisabeth II. eröffnet, verkörpert es den radikalen High-Tech-Stil und wird aufgrund seiner exponierten Infrastruktur oft als „Inside-Out Building“ bezeichnet.

Charakteristisch ist die Auslagerung sämtlicher Versorgungselemente – Treppen, Aufzüge, Leitungen, Wasserrohre und Toiletten – an die Gebäudeaußenhaut, um im Inneren maximale Flexibilität und einen unverbauten Raum zu schaffen. Das Herzstück bildet ein über 60 Meter hohes, lichtdurchflutetes Atrium mit einem gewölbten Stahl- und Glasdach, das den zentralen Versicherungsraum („Underwriting Room“) während der Handelszeiten mit natürlichem Licht versorgt. Die zwölf gläsernen Aufzüge waren bei ihrer Installation die ersten ihrer Art im Vereinigten Königreich.

Der Komplex besteht aus drei Haupttürmen und drei Versorgungstürmen, die einen rechteckigen Innenhof umschließen. Mit 14 Stockwerken und einer Höhe von rund 76 Metern (bzw. 88 Metern laut anderen Angaben) bietet das Gebäude flexible Büroflächen, deren Wände und Trennwände je nach Bedarf entfernt oder hinzugefügt werden können. Eine besondere historische Note setzt der im 11. Stock integrierte „Committee Room“ – ein original erhaltenes Speisezimmer aus dem 18. Jahrhundert, entworfen von Robert Adam und Stück für Stück aus dem Vorgängergebäude transplantiert.

Auf dem Dach verbliebene Kräne ermöglichen bis heute Wartungsarbeiten an der exponierten Fassade, was jedoch auch zu hohen Instandhaltungskosten führt. Das Lloyd’s Building bleibt ein Pionierwerk der Bowellism-Architektur und ein Symbol innovativer Büroplanung.

Ich habe dieses Gebäude erstmals 1991 bei der Reise nach Schottland, als wir in London Halt gemacht haben, gesehen. Es dürfte auch nach 40 Jahren noch das Stadtbild von London prägen, ähnlich, wie es das Centre Georges Pompidou nach seiner laufenden Sanierung in Paris tut. Auch an ihm war Richard Rogers beteiligt.


St. James’s Park und Horse Guard Parade

Londons königliches Herz

St. James’s Park und die Horse Guards Parade gehören zu den ikonischsten Orten im Zentrum Londons. Der älteste königliche Park der Stadt und der zeremonielle Paradeplatz direkt daneben bilden ein einzigartiges Ensemble aus Natur, Geschichte und militärischem Prunk.

Ein Park mit Geschichte

St. James’s Park erstreckt sich auf 23 Hektar zwischen Buckingham Palace und Whitehall. Seit dem 17. Jahrhundert ist er als königlicher Park ausgewiesen und lädt mit weitläufigen Wiesen, einem See und schattigen Alleen zum Verweilen ein. Besonders bekannt sind die Pelikane am Pelican Rock, die seit 1664 im Park leben – ursprünglich ein Geschenk des russischen Botschafters an König Charles II. Cafés, Liegestühle im Sommer und zahlreiche Bänke machen den Park zu einer beliebten Oase mitten im Trubel der Hauptstadt.

Horse Guards Parade: Schauplatz königlicher Zeremonien

Direkt am östlichen Rand des Parks liegt die Horse Guards Parade, der weitläufige Zeremonienplatz vor dem Horse-Guards-Gebäude an Whitehall . Das markante Gebäude mit seinem Uhrturm wurde im 18. Jahrhundert von William Kent entworfen und dient als offizieller Zugang zu St. James’s und Buckingham Palace.

Jährlich finden hier zwei der spektakulärsten Ereignisse des britischen Hofzeremoniells statt: Trooping the Colour zum offiziellen Geburtstag des Monarchen im Juni und das musikalische Großereignis Beating Retreat der Household Division. An gewöhnlichen Tagen stehen zwischen 10 und 16 Uhr berittene Wachen der Household Cavalry am Whitehall-Eingang, montags, mittwochs und freitags um 11 Uhr wird die Wachablösung zelebriert.

Perfekte Kombination für Besucher

Ein klassischer Spaziergang verbindet beide Highlights: Beginnen Sie gegen 11 Uhr bei der Wachablösung an der Horse Guards Parade und schlendern Sie anschließend durch St. James’s Park weiter zum Buckingham Palace, wo Sie oft auch den berühmten Changing of the Guard erleben können. Der Zutritt zu Park und Paradeplatz ist an normalen Tagen kostenlos.


Buckingham Palace

Vom Stadthaus zum Königspalast

Buckingham Palace ist seit 1837 die offizielle Londoner Residenz der britischen Monarchen und zugleich das administrative Zentrum der Krone.

Geschichte und Architektur

Ursprünglich entstand 1703 das sogenannte Buckingham House für John Sheffield, den 1. Duke of Buckingham, als repräsentatives Stadthaus im georgianischen Stil. König George III. erwarb das Anwesen 1762 für seine Frau Königin Charlotte, weshalb es damals als „Queen’s House“ bekannt war.

Die Transformation zum Palast begann in den 1820er-Jahren unter George IV., der den Architekten John Nash mit der Umgestaltung beauftragte. Nash erweiterte das Gebäude zu einem imposanten U-förmigen Bau im neoklassizistischen Stil.

Nach Nash übernahm Edward Blore die Vollendung, der in den 1840er-Jahren die Ostfassade und den berühmten Balkon ergänzte. Die heutige Hauptfassade aus Portland-Stein gestaltete Sir Aston Webb 1913 als würdigen Hintergrund für das Victoria-Memorial.

Heutige Nutzung

Buckingham Palace umfasst über 775 Räume, darunter 19 Staatsgemächer, die jährlich im Sommer für Besucher geöffnet sind. Der Palast dient als Schauplatz für Staatsbankette, Investitur-Zeremonien und offizielle Empfänge. Die ikonische Wachablösung vor dem Haupttor bleibt eine der meistbesuchten Attraktionen Londons.

Mit seiner mehr als 300-jährigen Geschichte verkörpert Buckingham Palace sowohl die Kontinuität der britischen Monarchie als auch die architektonische Entwicklung vom privaten Stadthaus zum repräsentativen Königspalast.


Hyde Park – Speakers‘ Corner

Im August 1981 habe ich bei der Reise nach Irland zusammen mit Michael diesen besonderen Ort erstmals kennengelernt. An diesem Sonntag war ich mit Familie dort.

Ort der freien Rede

Der Hyde Park im Zentrum Londons ist nicht nur eine der berühmtesten Grünanlagen der Welt, sondern auch Schauplatz einer einzigartigen Tradition: Der Speakers’ Corner.

An dieser nordöstlichen Ecke des Parks, unweit des Marble Arch, darf seit 1872 jede Person öffentlich reden – ohne Anmeldung, zu jedem Thema, solange die Äußerungen gesetzlich erlaubt sind.

Geschichte und Bedeutung

Die Wurzeln der Speakers’ Corner reichen in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, als im Hyde Park Proteste und Demonstrationen für politische Reformen stattfanden.

Nach den Unruhen der Reform League im Jahr 1866 wurde 1872 im Parks Regulation Act das Recht auf freie Rede im Park gesetzlich verankert.

Berühmtheiten wie Karl Marx, Wladimir Lenin und George Orwell nutzten die Ecke, um ihre Ideen zu verbreiten. Orwell nannte den Ort gar „eines der kleinen Wunder der Welt“.

Lebendige Bühne der Meinungsfreiheit

Bis heute ist die Speakers’ Corner ein lebendiger Treffpunkt für Redner und Zuhörer. Vor allem sonntags versammeln sich Menschen unterschiedlichster Hintergründe, um politischen, religiösen oder gesellschaftlichen Themen nachzugehen. Typisch ist das „Soapboxing“: Redner stellen sich auf mitgebrachte Kisten, um erhöht zu sprechen.

Dabei gelten klare Regeln.

Mikrofone sind verboten, Obszönitäten ebenso wie Kritik an der königlichen Familie. Dennoch bleibt der Ort ein internationales Symbol für Rede- und Meinungsfreiheit – ein Refugium, in dem jede Stimme zählen kann.

20060611 London Drehen vonIMG 2299 © Gerald Langer 228 - Gerald Langer

City Of London

Die Quadratmeile der Macht

Kaum ein Ort vereint Geschichte und Geschäft so kompromisslos wie die City of London – von Insidern schlicht „the City“ oder „Square Mile“ genannt. Auf gerade einmal 2,90 Quadratkilometern erstreckt sich hier der historische Kern der britischen Hauptstadt, dessen Wurzeln bis in die römische Gründung Londiniums um 47 n. Chr. zurückreichen. Trotz ihrer geringen Fläche gilt die City als eigenständiger Verwaltungsbezirk sui generis, der keinem der 32 London Boroughs zugeordnet ist und stattdessen von der City of London Corporation unter dem Lord Mayor regiert wird.

Die Kontraste könnten größer kaum sein: Nur rund 8.600 Menschen leben permanent im Bezirk, doch werktags strömen über 350.000 Berufspendler in die Bürotürme der Banken und Finanzinstitute. Damit zählt die City neben Canary Wharf und dem West End zu den bedeutendsten Finanzzentren der Welt. Architektonisch trifft mittelalterliches Erbe auf gläserne Wolkenkratzer: Die St. Paul’s Cathedral behauptet sich neben Hochhäusern wie dem „Gherkin“, während Reste der antiken London Wall an die Anfänge der Stadt erinnern. Nach dem Großen Brand von 1666 größtenteils neu errichtet, bleibt die City damit ein einzigartiges Nebeneinander aus Jahrhunderten britischer Stadtgeschichte.


Piccadilly Circus und Trafalgar Square

Geschichte und Entstehung

Piccadilly Circus wurde 1819 angelegt, um die neu geplante Regent Street mit der bestehenden Piccadilly zu verbinden. Der Begriff „Circus“ stammt vom lateinischen Wort für „Kreis“ und bezeichnet hier eine runde, offene Platzfläche an einer Straßenkreuzung.

Ursprünglich kreuzten sich Piccadilly und Regent Street; später kamen Shaftesbury Avenue (1886), Haymarket, Coventry Street, Glasshouse Street sowie Lower Regent Street hinzu. Durch den Bau der Shaftesbury Avenue verlor der Platz seine streng kreisförmige Gestalt und entwickelte sich zu dem dreieckig wirkenden Knotenpunkt, den man heute kennt.

Lage und städtebauliche Bedeutung

Der Platz liegt im Herzen des West End zwischen den Vierteln St. James (südlich) und Soho (nördlich). Er verbindet wichtige Einkaufs- und Vergnügungsstraßen und gilt als neuralgischer Punkt zwischen Mayfair, dem Theaterdistrikt des West End sowie den Nachtleben-Zentren Soho und Leicester Square.

Heute münden folgende Straßen in den Circus:

  • Piccadilly
  • Regent Street
  • Shaftesbury Avenue
  • Haymarket
  • Coventry Street (Richtung Leicester Square)
  • Glasshouse Street
  • Lower Regent Street
Architektur und Wahrzeichen
Shaftesbury Memorial Fountain („Eros“)

Das bekannteste Element ist die Shaftesbury Memorial Fountain von 1893 mit der Aluminiumstatue eines geflügelten Bogenschützen. Obwohl im Volksmund als „Eros“ bezeichnet, stellt sie offiziell den „Angel of Christian Charity“ dar und erinnert an den Sozialreformer Anthony Ashley-Cooper, 7. Earl of Shaftesbury.

Die Statue war eine der ersten aus Aluminium gefertigten Skulpturen und steht auf einem mehrstufigen Brunnensockel, der als beliebter Treff- und Rastplatz dient.

Leuchtreklamen und Medienfassaden

Seit 1900 wird Piccadilly Circus durch Leuchtreklamen geprägt; die erste große Werbetafel warb am London Pavilion für Spatenbräu. In den 1920er-Jahren wurden ganze Fassaden zu Werbeflächen, und heute dominieren großformatige LED-Screens die Nordost-Ecke zur Shaftesbury Avenue.

Zu den historisch sichtbaren Marken gehörten unter anderem Coca-Cola, TDK, Samsung, Hyundai, Player’s, Gordon’s Gin, Cinzano und viele andere – ein visuelles Erbe, das Piccadilly Circus oft als „Londoner Times Square“ charakterisiert.

Verkehr und U-Bahn-Station

Unter dem Platz befindet sich die U-Bahn-Station Piccadilly Circus, die 1906 eröffnet wurde und von den Linien Bakerloo und Piccadilly bedient wird. Zwischen 1925 und 1928 wurde die Station unter dem Architekten Charles Holden umfassend modernisiert und gilt als eines der architektonisch bedeutendsten Untergrundbauwerke des London Underground.

Die Station wird jährlich von über 40 Millionen Fahrgästen genutzt und ist ein zentraler Umsteigepunkt für Besucher des West End, der Theater, Shops und Restaurants.


Big Ben und Westminster am Abend

Londons steinernes Herz

Kaum ein Ensemble verkörpert das britische Selbstverständnis so eindrücklich wie der Palace of Westminster mit seinem markanten Uhrturm, weltweit als Big Ben bekannt. Am Nordufer der Themse gelegen, ist der Gebäudekomplex Sitz des britischen Parlaments und seit 1987 UNESCO-Welterbe.

Ein Neubau aus der Asche

Der ursprüngliche mittelalterliche Palast fiel in der Nacht zum 16. Oktober 1834 einem verheerenden Brand zum Opfer. Aus dem anschließenden Architekturwettbewerb ging Charles Barry als Sieger hervor, der den Neubau im neugotischen Stil entwarf. Für die Detailgestaltung des Uhrturms holte Barry den Gotik-Spezialisten Augustus Pugin hinzu – dessen letztes großes Werk, bevor er 1852 starb.

Der Turm und seine Glocke

Fertiggestellt 1859, misst der Turm rund 96 Meter und zählt 334 Stufen bis zum Glockengeschoss. Streng genommen bezeichnet der Name „Big Ben“ nur die Große Glocke, nicht den Turm selbst – dieser hieß offiziell schlicht Clock Tower, bis er 2012 anlässlich des Diamantenen Thronjubiläums von Königin Elisabeth II. in Elizabeth Tower umbenannt wurde. Die 13,7 Tonnen schwere Glocke wurde nach einem gescheiterten ersten Guss 1858 in der Whitechapel Bell Foundry neu gegossen und läutete erstmals im Juli 1859. Kurz darauf riss ein Sprung im Metall, der bis heute den charakteristisch dunkleren Klang erzeugt.

Nachbarschaft mit Geschichte

Wenige Schritte entfernt erhebt sich Westminster Abbey, deren heutige Gotik-Architektur größtenteils auf Heinrich III. im 13. Jahrhundert zurückgeht. Seit 1066 wurden hier ununterbrochen britische Monarchen gekrönt – eine Kontinuität, die Westminster zu einem einzigartigen Schauplatz von Macht, Glauben und Zeitmessung macht, an dem Politik, Religion und Ingenieurskunst auf engstem Raum zusammentreffen.


12.06.2006

Tower of London

Festung, Palast und Symbol der Macht

Der Tower of London ist eine der ikonischsten Sehenswürdigkeiten Englands – eine fast 1.000 Jahre alte Festung am Nordufer der Themse, die als königlicher Palast, Staatsgefängnis, Hinrichtungsstätte und Schatzkammer diente. Seit 1988 gehört er zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Entstehung und Architektur

Errichtet wurde der Tower nach der normannischen Eroberung Englands 1066 auf Befehl Wilhelms des Eroberers. Der zentrale White Tower, das älteste Bauwerk des Komplexes, entstand zwischen 1078 und 1100 und gilt als herausragendes Beispiel normannischer Militärarchitektur. Strategisch an einer Schleife der Themse gelegen, sicherte die Anlage sowohl den Zugang zur Stadt als auch die Kontrolle über London – ein sichtbares Zeichen königlicher Macht und Abschreckung.

Krönungsjuwelen und königliche Schätze

Seit den 1660er Jahren bewahrt der Tower die britischen Kronjuwelen, darunter die Krönungsregalien, die bei staatlichen Zeremonien weiterhin verwendet werden. Die Sammlung umfasst mehr als 100 Objekte und über 23.000 Edelsteine und ist im Jewel House im Waterloo Block untergebracht. Zu den bekanntesten Stücken zählt St Edward’s Crown, die bei der Krönung neuer Monarchen zum Einsatz kommt.

Gefangene, Hinrichtungen und Mythen

Über Jahrhunderte diente der Tower als wichtiges Staatsgefängnis der Tudor-Zeit. Berühmte Insassen waren Sir Walter Raleigh, Thomas Cromwell und Guy Fawkes; Prinzessin Elizabeth wurde 1554 hier festgehalten. Mindestens 150 Menschen wurden im Umfeld des Towers hingerichtet, die meisten jedoch auf Tower Hill, nicht innerhalb der Mauern. Bis heute ranken sich Legenden um die „Prinzen im Tower“, die 1483 verschwanden.

Heutige Nutzung

Heute ist der Tower vor allem eine der meistbesuchten Attraktionen Londons. Die Anlage beherbergt Museen, Ausstellungen und die zeremonielle Garde der Yeoman Warder. Als lebendiges Denkmal britischer Geschichte verbindet er fast ein Jahrtausend politischer, militärischer und kultureller Ereignisse an einem Ort.


An der Themse


Harrods

Harrods in London ist mehr als ein Kaufhaus – es ist ein Symbol des Luxus und ein architektonisches Juwel im Herzen von Knightsbridge.

Geschichte und Architektur

Gegründet 1849 von Charles Henry Harrod als kleiner Lebensmittelladen, entwickelte sich Harrods über Jahrzehnte zum größten Kaufhaus Europas. Das heutige Gebäude an der Brompton Road wurde zwischen 1894 und 1905 vom Architekten C. W. Stephens im viktorianischen Stil erbaut und 1969 als Grade II*-Denkmal geschützt. Mit rund 90.000 Quadratmetern Verkaufsfläche auf über 330 Abteilungen bietet es eine unvergleichliche Warenwelt.

Eigentümerwechsel und Bedeutung

1985 erwarb der ägyptische Geschäftsmann Mohamed al-Fayed Harrods für umstrittene 1,5 Milliarden Pfund; 2010 verkaufte er es an Qatar Holding. Unter seiner Ägide wurde das Haus zum globalen Luxus-Symbol ausgebaut.

Erlebnis und Gegenwart

Harrods zieht jährlich rund 15 Millionen Besucher an – nicht nur zum Einkaufen, sondern als touristisches Erlebnis mit Restaurants, Lounges und opulenten Innenräumen wie der Egyptian Hall. Aktuelle Markenkooperationen, etwa Fendis Pop-up im September 2026, unterstreichen die anhaltende Strahlkraft des Hauses.


13.06.2006

St. Paul’s Cathedral

Wahrzeichen im Herzen Londons

Die St. Paul’s Cathedral gehört zu den markantesten Bauwerken Londons und prägt seit über 300 Jahren die Skyline der Stadt. An ihrem Standort stand bereits seit dem Jahr 604 ein Gotteshaus – die heutige Kathedrale ist somit bereits das fünfte Bauwerk an dieser Stelle.

Nachdem der Große Brand von London 1666 die mittelalterliche „Old St Paul’s“ zerstört hatte, erhielt der Architekt Sir Christopher Wren den Auftrag zum Neubau Nach mehreren verworfenen Entwürfen – darunter das berühmte „Great Model“ von 1673 – entstand zwischen 1675 und 1710 ein monumentaler Sakralbau im englischen Barockstil. Mit 111 Metern Höhe war St. Paul’s von 1710 bis 1965 das höchste Gebäude Londons.

Das architektonische Herzstück ist die gewaltige Kuppel, die – dem Vorbild des römischen Petersdoms folgend – aus drei ineinander verschachtelten Schalen besteht. Im Inneren führt die berühmte Whispering Gallery hinauf, ein akustisches Phänomen, das Besucher bis heute fasziniert.

Die Kathedrale ist nicht nur Gottesdienstort, sondern auch letzte Ruhestätte bedeutender Briten wie Admiral Nelson und ihres eigenen Architekten Christopher Wren. Historische Ereignisse wie die Hochzeit von Prince Charles und Lady Diana 1981 machten St. Paul’s zudem zur Bühne nationaler Geschichte.


Millenium Bridge

Die Millennium Bridge verbindet seit dem Jahr 2000 die St Paul’s Cathedral im Norden mit der Tate Modern am Südufer der Themse – die erste neue Flussquerung Londons seit über einem Jahrhundert. Entstanden ist sie aus einem Architekturwettbewerb, den 1996 der Stadtbezirk Southwark ausschrieb und den das Team um Sir Norman Foster, den Bildhauer Sir Anthony Caro und das Ingenieurbüro Arup mit einem als „Blade of Light“ bekannten Entwurf gewann.

Konstruktionsprinzip

Konstruktiv handelt es sich um eine außergewöhnlich flache Hängebrücke: Statt hoher Pylone tragen zwei Y-förmige Stahlpfeiler acht seitlich geführte Tragkabel, die den 4 Meter breiten Aluminiumsteg über Querarme im Abstand von acht Metern stützen. Die Kabel liegen dabei unterhalb der Handläufe, um den Blick auf die Kathedrale nicht zu verstellen – eine Lösung, die laut Arup-Ingenieur Chris Wise buchstäblich am Zeichentisch einer Fitzrovia-Weinbar entstand. Mit einer Durchbiegung von nur 2,3 Metern über die 144 Meter lange Mittelspannweite ist das Verhältnis sechsmal flacher als bei konventionellen Hängebrücken. Die Gesamtlänge beträgt 325 Meter, verteilt auf drei Abschnitte von 81, 144 und 108 Metern.

Die berühmte Schwingung

Drei Tage nach Eröffnung im Juni 2000 musste die Brücke wegen eines synchronen Schwingungseffekts gesperrt werden: Fußgänger passten unbewusst ihren Schritt an seitliche Bewegungen an und verstärkten diese – ein bis dahin unterschätztes Phänomen. Nach Einbau von 91 zusätzlichen Dämpfern für rund fünf Millionen Pfund öffnete sie 2002 wieder.


Tate Modern

Wenn Kraftwerke zu Kathedralen der Kultur werden

An der Themse in Southwark erhebt sich ein backsteinerner Koloss mit einem 99 Meter hohen Schornstein: die Tate Modern, seit Mai 2000 eines der meistbesuchten Museen für moderne und zeitgenössische Kunst weltweit. Was heute Turner-Preisträger und Rothko-Rooms beherbergt, war einst reine Industrie – das Bankside Power Station, ein Ölkraftwerk, das Sir Giles Gilbert Scott zwischen 1947 und 1963 erbaute und das bis 1981 in Betrieb war.

Der Wettbewerb der Baseler

Als die Tate Gallery 1994 verkündete, in Bankside ihr zweites Haus zu errichten, lockte ein internationaler Architekturwettbewerb 148 Einreichungen an. Den Zuschlag erhielt 1995 das damals noch wenig bekannte Baseler Büro Herzog & de Meuron – gegen prominente Konkurrenz. Ihr Konzept überzeugte gerade durch Zurückhaltung.

Statt das Kraftwerk mit spektakulären Glasdächern oder Atrien zu überformen, beließen sie die rohe Backsteinhülle fast unangetastet und setzten nur einen zweigeschossigen verglasten Aufbau aufs Dach. Die gewaltige Turbinenhalle wurde zur Galerie für raumgreifende Installationen, das Kesselhaus zu klassischen Ausstellungsräumen. Für Jacques Herzog war es „unser bisher grösstes, komplexestes und aufregendstes Projekt“ – ein Meilenstein der Umnutzungsarchitektur, der 2016 durch den zehnstöckigen Switch-House-Turm erweitert wurde.

Pink Floyds Kraftwerk-Ikonografie

Musikalisch führt die Assoziation zu Pink Floyd über ein verwandtes, aber anderes Bauwerk. Das legendäre Cover ihres Albums „Animals“ (1977) zeigt nicht Bankside, sondern das Battersea Power Station flussaufwärts, über dessen Schornsteinen Roger Waters‘ aufblasbares Schwein „Algie“ schwebte.

Beide Kraftwerke – Bankside und Battersea – stehen exemplarisch für die britische Industriearchitektur der Nachkriegszeit und ihre spätere kulturelle Wiederentdeckung.

Während Battersea nach jahrzehntelangem Verfall erst 2022 zu einem Wohn- und Geschäftskomplex wurde, gelang der Tate mit Bankside die frühere und einflussreichere Transformation, nicht zuletzt weil das Gebäude kleiner, besser erschlossen und nicht denkmalgeschützt war.


Tower Bridge

Londons viktorianisches Meisterwerk

Kaum ein Bauwerk verkörpert das Selbstbewusstsein des viktorianischen Zeitalters so eindrücklich wie die Tower Bridge. Wer London besucht, erkennt sie sofort – und verwechselt sie doch erstaunlich oft mit der weiter flussaufwärts gelegenen London Bridge.

Ein Bauwerk aus der Not heraus

Ende des 19. Jahrhunderts stand London vor einem handfesten Problem: Der Osten der Stadt wuchs rasant, doch eine neue Themse-Querung durfte den regen Schiffsverkehr zu den Docks nicht blockieren. Ein 1876 einberufenes Komitee sammelte über 50 Entwürfe, konnte sich jedoch auf keinen einigen. Erst 1884 überzeugte der City-Architekt Sir Horace Jones gemeinsam mit dem Ingenieur Sir John Wolfe Barry mit einer originellen Lösung: einer kombinierten Häng- und Klappbrücke, die sich zum Schiffsdurchlass öffnen ließe.

Bau und tragische Wendung

Am 21. Juni 1886 wurde der Grundstein gelegt, der eigentliche Bau begann bereits im April desselben Jahres. Fünf Baufirmen und 432 Arbeiter waren beteiligt. Horace Jones erlebte die Vollendung seines Werks jedoch nicht. Er starb bereits ein Jahr nach Baubeginn, im Mai 1887, sodass Wolfe Barry gemeinsam mit Henry Marc Brunel, dem Sohn des berühmten Isambard Kingdom Brunel, das Projekt zu Ende führte.

Technik im neugotischen Gewand

Am 30. Juni 1894 eröffneten der damalige Prince of Wales und seine Frau Alexandra die fertige Brücke.

Mit 244 Metern Länge und zwei 65 Meter hohen Türmen verbindet sie die Stadtteile Tower Hamlets und Southwark. Der neugotische Steinmantel verbirgt ein Stahlskelett aus rund 11.000 Tonnen Metall – gewählt, um optisch zum benachbarten Tower of London zu passen, wie es die Ausschreibung verlangte. Bis heute öffnen sich die beiden Klappen etwa 850 Mal im Jahr für den Schiffsverkehr, während Fußgänger und Fahrzeuge die Brücke weiterhin kostenfrei überqueren können.


City Hall

Am Südufer der Themse, direkt neben der Tower Bridge, prägt ein ungewöhnlich geformtes Glasgebäude seit über zwei Jahrzehnten die Skyline.

Die nunmehr ehemalige City Hall von Sir Norman Foster. Fertiggestellt im Juli 2002 für rund 43 Millionen Pfund, diente es bis Ende 2021 als Sitz der Greater London Authority mit Büros des Bürgermeisters, der London-Assembly-Mitglieder und deren Mitarbeiter.

Formal ist das Gebäude eine modifizierte Kugel, leicht nach Süden geneigt – Spitznamen wie „die Zwiebel“ oder „der Helm“ waren unvermeidlich. Diese Geometrie ist kein architektonisches Spielchen, sondern folgt Fosters Nachhaltigkeitslogik.

Eine Kugelform minimiert die Oberfläche im Verhältnis zum Volumen und reduziert dadurch Wärmeverlust und Energiebedarf erheblich. Innen dominiert eine spiralförmige, rund 45 Meter hohe Rampe, die sich über zehn Geschosse zieht und optisch an Frank Lloyd Wrights Guggenheim Museum erinnert.

Konzeptionell knüpft City Hall an Fosters Reichstagskuppel in Berlin an.

Transparenz als politisches Programm, sichtbar gemacht durch Glasfassaden und öffentlich zugängliche Bereiche.

Mit 12.000 Quadratmetern beherbergte es Ratssaal, Ausschussräume und Verwaltung.

2021 zog die GLA aus Kostengründen nach Newham um. Das Originalgebäude wird derzeit zu einem gemischt genutzten Bürokomplex umgebaut.


14.06.2006

Royal Albert Hall

Ikone viktorianischer Baukunst

Die Royal Albert Hall in South Kensington zählt zu den berühmtesten Konzertsälen der Welt. Am 29. März 1871 von Königin Victoria eröffnet, entstand sie als Denkmal für ihren 1861 verstorbenen Gemahl Prinz Albert, der zuvor mit Henry Cole die Great Exhibition von 1851 organisiert hatte.

Architektur zwischen Amphitheater und Ingenieurskunst

Der Bau geht auf einen Entwurf von Gottfried Semper zurück, der jedoch aus Kostengründen nicht realisiert wurde. Nach Alberts Tod übernahmen die Militäringenieure Francis Fowke und, nach dessen Tod 1865, Henry Y. D. Scott die Ausführung, orientiert an Sempers Konzept sowie Beiträgen von George Gilbert Scott.

Das Ergebnis ist eine elliptische Halle nach dem Vorbild römischer Amphitheater, mit Außenachsen von 83 auf 72 Metern. Die charakteristische Fassade aus rotem Fareham-Backstein und Terrakotta-Elementen der Firma Gibbs and Canning wird von einem 800 Fuß langen Mosaikfries, „The Triumph of Arts and Sciences“, umlaufen. Die gläserne Kuppel aus Schmiedeeisen, konstruiert von Ordish & Gover, machte die Halle zum weltweit ersten überkuppelten Amphitheater dieser Art.

Bühne für Geschichte und Musik

Ursprünglich für 8.000 Besucher konzipiert, bietet die Halle heute rund 5.272 Plätze. Seit 1941 beherbergt sie die BBC Proms, deren Abschluss, die „Last Night of the Proms“, weltweit übertragen wird. Neben Winston Churchill und Albert Einstein als Redner traten hier Muhammad Ali und unzählige Musikgrößen auf. Eric Clapton hält mit über 200 Auftritten den Rekord, während Adele, die Beatles und zahllose Klassik-Ensembles die akustisch einst von Richard Wagner kritisierte, heute weltberühmte Halle prägten.


Science Museum

Technikgeschichte zum Anfassen

Das Science Museum an der Exhibition Road in South Kensington zählt zu den bedeutendsten Wissenschaftsmuseen der Welt und lockte 2025 rund 2,8 Millionen Besucher an. Seine Wurzeln reichen bis zur Great Exhibition von 1851 zurück; 1857 entstand daraus das South Kensington Museum, aus dessen naturwissenschaftlicher Sammlung 1909 das eigenständige Science Museum hervorging. Das heutige neoklassizistische Hauptgebäude von Architekt Richard Allison wurde zwischen 1919 und 1928 eröffnet, der lichtdurchflutete Wellcome Wing kam im Jahr 2000 hinzu.

Herzstück der Sammlung ist die Galerie Making the Modern World mit Ikonen wie Stephensons „Rocket“-Lokomotive, der Dampfmaschine „Puffing Billy“ von 1813 und dem Apollo-10-Kommandomodul, das 1969 den Mond umkreiste. Die von Zaha Hadid Architects gestaltete Winton Gallery präsentiert Mathematikgeschichte unter einer schwebenden Propellermaschine, eingebettet in geschwungene, violett illuminierte Architektur.


Picadilly, Regent Street und Soho

Die Regent Street im Londoner West End zählt zu den bedeutendsten Beispielen städtebaulicher Planung des 19. Jahrhunderts. Zwischen 1813 und 1825 entstand sie nach den Plänen von John Nash im Auftrag des Prinzregenten und späteren Königs Georg IV., unterstützt vom Bauunternehmer James Burton. Nashs Ziel war eine repräsentative Verbindungsachse zwischen dem St. James’s Palace und dem neu angelegten Regent’s Park – eine Zeremonienstraße im Stil kontinentaler Boulevards.

Herzstück war der geschwungene „Quadrant“ nahe Piccadilly Circus, ursprünglich mit gusseisernen Kolonnaden zum Schutz der Flaneure. Von Nashs originalen klassizistischen Bauten ist einzig die Kirche All Souls erhalten geblieben; fast alle übrigen Gebäude wichen zwischen 1895 und 1927 einem neobarocken Umbau nach Plänen von Richard Norman Shaw.

Heute gehört die Straße größtenteils weiterhin der Krone und ist als Einkaufsmeile mit Flagship-Stores wie Liberty und Hamleys weltberühmt.

Soho: Londons pulsierendes Herz

Mitten im Londoner West End, zwischen Oxford Street und Piccadilly Circus, liegt Soho – eines der facettenreichsten Viertel der britischen Hauptstadt. Der Name geht vermutlich auf einen alten Jagdruf zurück, denn im 16. Jahrhundert ließ Heinrich VIII. das Gebiet als königlichen Jagdpark nutzen. Später wurde es zur Heimat französischer Hugenotten, Künstler und Bohemiens.

Seit dem 19. Jahrhundert gilt Soho als Londons wichtigstes Vergnügungsviertel. In den 1950er-Jahren entwickelte sich hier eine legendäre Musikszene. Clubs wie der Marquee Club oder Ronnie Scott’s machten das Viertel zur Wiege des britischen Jazz und Rock ’n‘ Roll, die Rolling Stones gaben hier ihr erstes Konzert. Heute ist Soho für seine dichte Konzentration an Restaurants, Bars, Theatern und die Carnaby Street bekannt. Zwischen schicken Boutiquen und traditionsreichen Pubs verbindet Soho bis heute kreatives Chaos mit urbaner Eleganz.


15.06.2006

Madame Tussaud

Wer London besucht, kommt an einer Institution kaum vorbei: Madame Tussauds an der Marylebone Road, direkt bei der Baker Street. Das berühmteste Wachsfigurenkabinett der Welt geht auf die Französin Marie Tussaud zurück, die ihr Handwerk als junge Frau bei ihrem Mentor Philippe Curtius erlernte und während der Französischen Revolution gezwungen war, Totenmasken hingerichteter Adliger anzufertigen.

Nach dessen Tod erbte sie 1794 dessen Wachsfigurensammlung und zog 1802 damit durch Großbritannien und Irland, bevor sie sich 1835 mit ihren Söhnen in der Baker Street Bazaar dauerhaft niederließ.

Seit 1884 residiert die Ausstellung an ihrem heutigen Standort an der Marylebone Road, nachdem Maries Enkel Joseph Randall umgezogen war. Ein verheerender Brand 1925 zerstörte fast den gesamten Bestand, ein deutscher Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg vernichtete 1940 zudem 352 Kopfformen.

Trotz aller Kommerzialisierung bleibt Madame Tussauds ein authentisches Stück Londoner Kulturgeschichte.

Auf mich wirken die Figuren nach zwanzig Jahren fast ein bisschen aus der Zeit gefallen. 3D-Drucker und AI schaffen heute wahrscheinlich perfektere Abbilder des Originals.


British Museum

Zwei Millionen Jahre unter einem Dach

Im Herzen von Bloomsbury, London, thront das British Museum – gegründet 1753 und seit 1759 der Öffentlichkeit zugänglich, war es das erste freie, öffentliche Nationalmuseum der Welt. Den Grundstein legte die Sammlung des Arztes Sir Hans Sloane mit über 70.000 Objekten, die er dem britischen Staat vermachte.

Heute beherbergt das Haus rund acht Millionen Objekte, die zwei Millionen Jahre Menschheitsgeschichte dokumentieren – verteilt auf etwa 94 Einzelsammlungen. Nur etwa ein Prozent davon, rund 80.000 Stücke, ist tatsächlich ausgestellt. Zu den unbestrittenen Highlights zählen der Stein von Rosette, dessen dreisprachige Inschrift 1822 die Entzifferung der Hieroglyphen ermöglichte, die umstrittenen Parthenon-Skulpturen aus Athen sowie der Helm von Sutton Hoo und die ägyptischen Mumien.

Architektonisch beeindruckt vor allem der Great Court. Deswegen habe ich die Familie an diesen Ort geschleift.

Sir Norman Foster überspannte den zuvor ungenutzten Innenhof im Jahr 2000 mit einem spektakulären Glasdach, das den historischen Round Reading Room umschließt.

Mit rund 6,44 Millionen Besuchern 2025 zählt das Museum zu den meistbesuchten Kulturinstitutionen weltweit – bei freiem Eintritt, täglich geöffnet, freitags bis 20:30 Uhr.


Der Trafalgar Square ist Londons berühmtester öffentlicher Platz und ein zentraler Treffpunkt für Kultur, Politik und Tourismus. Benannt nach der britischen Seeschlacht von Trafalgar 1805, erinnert er an Admiral Lord Nelson, dessen 52 Meter hohe Säule seit 1843 das Zentrum des Platzes dominiert.

Geschichte und Architektur

Ursprünglich befand sich hier bis ins 19. Jahrhundert der königliche Marstall. Unter dem Architekten John Nash wurde das Areal ab 1812 in einen repräsentativen Platz umgewandelt, der 1830 offiziell den Namen Trafalgar Square erhielt. Nach Nashs Tod übernahm Sir Charles Barry die Planung; der Platz wurde 1844 eröffnet und 1845 mit Springbrunnen ergänzt. Die vier bronzenen Löwen von Edwin Landseer kamen 1868 hinzu und bewachen seither die Basis der Nelson-Säule.

An der Nordseite des Platzes thront die National Gallery, 1838 nach Plänen von William Wilkins eröffnet. Das klassizistische Gebäude beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen europäischer Malerei vom 13. bis 19. Jahrhundert – darunter Werke von Leonardo da Vinci, Van Gogh, Turner und Velázquez.

Trafalgar Square bleibt bis heute Bühne für Demonstrationen, Feiern und kulturelle Events – ein lebendiges Denkmal britischer Geschichte im Herzen Londons.



Norman Foster und Kollegen am Abend

Ich überrede die Familie, am frühen Abend noch in Richtung Moor House zu fahren. Dieses Gebäude von Norman Foster war erst 2005 fertiggestellt worden.


16.06.2006

Docklands & Canary Wharf

Architektur und Städtebau

Die London Docklands und das Canary-Wharf-Viertel zählen zu den prägendsten Beispielen städtebaulicher Transformation in Europa.

Aus einem verfallenen Hafengebiet entstand eine postmoderne „Edge City“ mit Hochhaus-Skyline, neuer Infrastruktur und gemischter Nutzung.

Vom Hafen zum Finanzquartier

Bis in die 1960er-Jahre waren die Docklands östlich der City einer der verkehrsreichsten Häfen der Welt; mit dem Containerzeitalter verloren sie ihre Funktion und wurden zwischen 1967 und 1981 schrittweise stillgelegt.

Zehntausende Arbeitsplätze gingen verloren, das Gebiet verödete. 1981 gründete die Thatcher-Regierung die London Docklands Development Corporation (LDDC), die marktgetrieben und ohne strikten Masterplan die Neuentwicklung vorantrieb.

Canary Wharf als architektonisches Kernstück

Herzstück ist Canary Wharf auf der Isle of Dogs, entwickelt auf dem Gelände der ehemaligen West India Docks. Der Masterplan von Skidmore, Owings & Merrill sah ein hochverdichtetes Büroquartier vor; 1991 wurde One Canada Square (235 m) als damaliges höchstes Gebäude Großbritanniens fertiggestellt – ein ikonischer Wolkenkratzer mit pyramidaler Spitze.

Es folgten weitere Türme wie 8 und 25 Canada Square (je 200 m, 2002) sowie jüngste Hochhäuser, die die Skyline weiter verdichten.

Städtebauliche Struktur und Architekturmix

Städtebaulich prägen breite Boulevards, künstliche Wasserbecken und eine klare Trennung zwischen Hochhaus-Cluster und niedrigerer Wohnbebauung das Bild. Neben Glas-Stahl-Türmen im High-Tech- und Postmodern-Stil entstanden loftartige Wohnumbauten alter Lagerhäuser und neue Wohnquartiere in Backsteinarchitektur – ein bewusster Kontrast zur Hochhauszone.

Die Infrastruktur wurde mit der Docklands Light Railway (DLR), neuer Straßen und der Jubilee-Line-Erweiterung massiv aufgewertet, was die Anbindung an die City sicherte.

Auswirkungen

Die Docklands gelten als Vorreiter für Hafen-City-Projekte wie Hamburg, zugleich wurde die Entwicklung sozialkritisch diskutiert.

Gentrifizierung, fehlende Durchmischung und eine „US-amerikanische“ Hochhausästhetik standen im Kontrast zu behutsameren, historisierenden Ansätzen. Dennoch entstanden bis 1998 rund 60.000 neue Arbeitsplätze und 49.000 Einwohner.


Millenium Dome

Ein architektonisches Wagnis am Ufer der Themse

Auf der Greenwich-Halbinsel im Südosten Londons erhebt sich eine der markantesten Konstruktionen des ausgehenden 20. Jahrhunderts: der Millennium Dome. Entworfen vom britischen Stararchitekten Richard Rogers und seinem Büro (heute Rogers Stirk Harbour + Partners), sollte das Bauwerk den Beginn des dritten Jahrtausends feiern und wurde zwischen 1997 und 1999 errichtet.

Konstruktion und Symbolik

Die Kuppel misst 365 Meter im Durchmesser – eine bewusste Anspielung auf die Tage eines Jahres. Zwölf gelbe Stahlmasten, die an die Monate oder Stunden einer Uhr erinnern, tragen die Zeltstruktur aus PTFE-Gewebe, die an ihrer Spitze eine Höhe von 52 Metern erreicht, symbolisch für die Wochen des Jahres. Mit einer Fläche von rund 80.000 bis 100.000 Quadratmetern zählte der Dome bei seiner Eröffnung zu den fünf größten Gebäuden der Welt nach Nutzvolumen.

Vom Ausstellungsflop zur Erfolgsarena

Am 31. Dezember 1999 offiziell eröffnet, beherbergte der Dome ein Jahr lang die „Millennium Experience“, eine Ausstellung zur Jahrtausendwende. Rund 6,5 Millionen Besucher kamen – nur halb so viele wie erhofft, was das Projekt zum politisch umstrittenen „weißen Elefanten“ der New-Labour-Ära machte. Die Baukosten beliefen sich auf etwa 789 Millionen Pfund.

Nach der Schließung 2000 stand die Struktur zunächst leer, bis sie ab 2003 vom Büro HOK Sport zur heutigen O2 Arena umgebaut wurde – als „Gebäude im Gebäude“ innerhalb der ursprünglichen Kuppelhülle.

Seit der Wiedereröffnung 2007 gilt sie als eine der meistbesuchten Konzertarenen der Welt und war 2012 Olympia-Schauplatz für Turnen und Basketball.


City of London


Westminster Abbey


Hyde Park

20060616 London IMG 3279 © Gerald Langer 1492 - Gerald Langer

17.06.2006

Portobello Road Market

Mitten im bunten Notting Hill erstreckt sich der Portobello Road Market über gut eineinhalb Kilometer und gilt als größter Antiquitätenmarkt der Welt. Aus einem einfachen Feldweg namens Green Lane, benannt nach der 1739 eroberten Hafenstadt Porto Bello in Panama, entwickelte sich im 19. Jahrhundert zunächst ein Lebensmittelmarkt. Erst in den 1940er- und 1950er-Jahren zogen Trödel- und Antiquitätenhändler nach, viele nach Schließung des Caledonian Market in Islington, und prägten fortan den heutigen Charakter.

Heute gliedert sich der Markt in fünf Abschnitte: Antiquitäten, Secondhand-Waren, Mode, Haushaltswaren sowie Obst und Gemüse, verteilt auf rund tausend Stände. Samstags, dem Haupttag, öffnen sämtliche Bereiche gleichzeitig. Dann verwandeln pastellfarbene Häuserzeilen, Vintage-Kleidung und antikes Silber die Straße in ein lebendiges Stück Londoner Stadtgeschichte.


City und Westminster Abbey

Tagsüber noch ein bisschen Sightseeing in der City of London, bevor uns der Flieger wieder nach Frankfurt am Main bringt.


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