
Jessica Backhaus. Shadows Might Dance
Ausstellungslaufzeit: 31. Januar – 26. April 2026
Eröffnung: Freitag, 30. Januar 2026, 19 Uhr
Ausstellungort: Fotografie Forum Frankfurt
Homepage: https://jessicabackhaus.net
Inhaltsverzeichnis
Ein Rundgang durch die Ausstellung vor Eröffnung

Ich bin diesmal tatsächlich mit etwas gemischten Gefühlen nach Frankfurt zur Ausstellungseröffnung „Jessica Backhaus. Shadows might dance“ gefahren.
Die Fotografien der letzten dort besuchten Ausstellungen hatten doch mehr dokumentarischen Charakter. Sie bewegten sich also eher in dem Bereich, den ich mit meinen eigenen, eher bescheidenen, fotografischen Arbeiten bevorzuge:
„Den Moment einfrieren und dabei natürlich auch auf die Komposition und Ausdruck achten.“
Arbeitsweise von Jessica Backhaus
Die aktuellen, gleich bei Betreten des Ausstellungsraumes ins Auge stechenden, Arbeiten von Jessica Backhaus zeigen indes einen deutlich anderen Ansatz.
Hier werden Farbflächen und Formen nebeneinander, besser noch, übereinander gesetzt. Schwarze Schatten grenzen Flächen und unterschiedliche Farben von einander ab.
Diese Arbeiten lassen auf den ersten Blick eher eine Malerin vermuten, die hier am Werk ist, als eine Fotografin.
Ihre besondere Arbeitsweise lässt sich – allerdings sehr vereinfacht – so beschreiben:
Auf eine farbige Grundfläche werden andersfarbige, unterschiedlich ausgeschnittene Papiere gelegt, die sich je nach Umgebung krümmen und damit ein entsprechendes Schattenbild erzeugen.
Diese Kompositionen und Inszenierungen werden dann von Jessica Backhaus so abfotografiert, dass der Eindruck entsteht, man würde die originale Collage sehen.
Als Betrachter der Bilder fühlt man sich regelrecht genötigt, ich habe das natürlich nicht gemacht, das Foto zu berühren, um die oberste Papierschicht anzuheben.
Ein Entwicklungsprozess, der sicherlich noch nicht am Ende angekommen ist
Der fotografische Entwicklungsprozess startete auch bei Jessica Backhaus eher in der dokumentarischen Fotografie.
Mit Werken aus acht Serien bietet die Ausstellung einen tiefen Einblick in Backhaus’ Arbeit, von frühen, noch dezidiert dokumentarischen Arbeiten bis zum jüngsten, erstmals präsentierten Werk „Papyrus“.
Diese Werkschau entfaltet einen Kosmos aus Form, Farbe und Licht, in dem sich dokumentarische Anfänge, poetische Verdichtung und eine immer weiter vorangetriebene Abstraktion zu einem am Ende sehr schlüssigen visuellen Werk verbinden.
Die Ausstellung versteht sich explizit als vorläufige Retrospektive und als poetische Bestandsaufnahme eines Œuvres, das sich zwischen Fotografie, Malerei und Objektkunst verorten lässt.
Form, Farbe und Licht bilden die konstitutiven Elemente von Backhaus’ Bildwelt.
Ausgangspunkt sind häufig kleine Dinge und unscheinbare Details, die in ihren Bildern von der Randnotiz zur Hauptfigur werden und den Blick auf das Rätselhafte im Alltäglichen öffnen.
Frühe Serien wie „Jesus and the Cherries“ wurzeln noch deutlich in ihrer dokumentarischen Beobachtung, in der sie Milieus und Alltagswelten mit aufmerksamem, zugleich distanzierten Blick erkundete.

Später wird dieser Blick nach und nach zu einer konsequenten Hinwendung zur Abstraktion führen, wenn Dinge, Oberflächen und Schatten sich zu nahezu malerischen Feldern aus Farbe und Textur verdichten.
Die Ausstellung macht deutlich, wie konsequent Backhaus die Grenzen des fotografischen Mediums auslotet und schon verschoben hat.
Durch Techniken wie Collage und das inszenierte Stillleben verlagert sie die Fotografie an die Schnittstelle zu Malerei und Objektkunst.
Serie „Papyrus“
Ein zentrales Moment der Frankfurter Ausstellung ist die Präsentation der neuesten Serie „Papyrus“, die hier erstmals gezeigt wird.
Mit ihr führt Backhaus ihre Untersuchungen zu Materialität und Abstraktion weiter.

Fotobücher
Es wird im Rahmen der Ausstellung eine große Anzahl an hochwertigen Fotobüchern zu den Arbeiten von Jessica Backhaus angeboten.

Hier findet man eine vollständige Auswahl auf der Website der Fotokünstlerin.
Fazit
Mich hat diese Ausstellung motiviert, deutlich mehr, als ich es zunächst erwartet hatte, meine eigene Arbeitsweise im Bereich Fotografie etwas zu überdenken und zu hinterfragen.
„Die Schatten sollten vielleicht auch auf meinen Bildern etwas mehr tanzen.“
Der Besuch dieser Ausstellung lohnt sich wirklich für jeden, der sich grundsätzlich für das Genre Fotografie und professionelle Grenzgänger:innen interessiert, die uns auf ihre besondere Art und Weise immer wieder die Augen öffnen.
Bilder einer Ausstellung





























Jessica Backhaus erklärt ihre Arbeiten






Pressetext
Frankfurt am Main, 15.12.2025 – Form, Farbe und Licht sind die bestimmenden Elemente im visuellen Kosmos der international anerkannten Fotografin Jessica Backhaus. Das Fotografie Forum Frankfurt präsentiert mit Jessica Backhaus. Shadows Might Dance die erste umfassende Überblicksausstellung, die Arbeiten aus 25 Schaffensjahren vereint.
Von ihren frühen dokumentarischen Arbeiten aus »Jesus and the Cherries« über die allmähliche Hinwendung zur Abstraktion wie in »Once, Still and Forever« bis hin zu ihrer neuesten Serie »Papyrus«, die hier erstmals präsentiert wird, zeichnet die Auswahl die Bandbreite und Feinheit ihres Oeuvres nach. Die Werke der acht ausgestellten Serien ermöglichen im Zusammenspiel einen einzigartigen Blick auf Backhaus’ künstlerische Entwicklung.
Jessica Backhaus’ Werk steht in der Tradition der Dokumentarfotografie, die sie durch eine unverwechselbar lyrische und höchst individualisierte Bildsprache erweitert. Es sind die kleinen Dinge und Details, die die Aufmerksamkeit der Künstlerin auf sich ziehen und den Zugang zu etwas Rätselhaften ermöglichen – sogar Wege aufzeigen, wie sich etwas völlig Neues entwickeln kann.
Jessica Backhaus, 1970 in Cuxhaven geboren, stammt aus einer Künstlerfamilie. Im Alter von sechzehn Jahren zog sie nach Paris, wo sie später Fotografie und visuelle Kommunikation studierte. 1995 führte sie ihre Leidenschaft für die Fotografie nach New York. Dort arbeitete sie als Assistentin für renommierte Fotograf*innen, verfolgte eigene Projekte und lebte im Big Apple bis 2009. Backhaus gilt heute als eine der profiliertesten Stimmen der zeitgenössischen Fotografie in Deutschland.
Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, unter anderem in der National Portrait Gallery, London, und im Berliner Martin- Gropius-Bau. Ihre Fotografien befinden sich in zahlreichen nationalen und internationalen Museen und Privatsammlungen –darunter die Deutsche Börse Photography Foundation.
Abstrakte Künstler*innen des 20. Jahrhunderts wie Josef Albers oder Sonia Delaunay dienten Backhaus als Inspirationsquelle für ihre Kompositionen. Darüber hinaus eröffnete ihr die wegweisende Freundschaft mit der Schriftstellerin und Dokumentarfotografin Gisèle Freund schon früh Perspektiven, was Fotografie für sie werden könnte.
Backhaus entwickelt ihre Ideen durch intuitives Experimentieren und widmet sich dabei emotionalen Themen wie Lebendigkeit, Abwesenheit und Erinnerung. Dieser kreative Prozess verleiht ihren Arbeiten eine einzigartige Atmosphäre – Bilder, die eine besondere Sensibilität für Materialität, Textur und die feinsten Nuancen von Farbtönen offenbaren.
Backhaus’ Erkundungen, Collagen und sorgfältig komponierte Stillleben eröffnen eine vielschichtige visuelle Welt, die sich im Spannungsfeld zwischen Fotografie, Malerei und Objektkunst entfaltet.
Die Ausstellung Jessica Backhaus. Shadows Might Dance wird kuratiert von Celina Lunsford und Andrea Horvay, zusammen mit der Künstlerin.
Ergänzt wird die Schau durch ein vielfältiges Rahmenprogramm mit Gesprächen, Führungen und einem Workshop.
Rahmenprogramm | Jessica Backhaus
SA, 31.01., 15 Uhr GALERIERUNDGANG mit JESSICA BACKHAUS und CELINA LUNSFORD
DI, 10.02., 10.03., 21.04., 15 Uhr KURATORINNENFÜHRUNGEN mit CELINA LUNSFORD
oder ANDREA HORVAY
FR, 17.04., 18 Uhr GALERIEGESPRÄCH mit JESSICA BACKHAUS und Prof. Dr. SOPHIE
CHARLOTTE OPITZ, Medienwissenschaftlerin/Kuratorin, Bucerius Kunst Forum, Hamburg
SA/SO, 18./19.04., 10–17 Uhr WORKSHOP »ABSTRAKTE DIMENSIONEN« mit JESSICA BACKHAUS
Weitere Termine der FFF AKADEMIE
MI, 14.01., 18 Uhr FFF AKADEMIE unterwegs zu Instituto Cervantes, Frankfurt mit
Rundgang durch die Ausstellung »FERIEN UNTER FRANCO«
MI, 18.02., 18 Uhr FFF AKADEMIE unterwegs zu Basis e.V. Frankfurt mit Preview und
Rundgang durch die Ausstellung »KAYA & BLANK – INFRASCAPES«
MI, 25.02., 18.00 VORTRAG »WIE KI UNSER BILD VON BILDERN VERÄNDERT« mit
ALEXANDRA LECHNER und CHRISTIAN SCHÖN
FR, 20.03., 18 Uhr VORTRAG »DEUTSCHLAND, WARUM BIST DU SO?« mit PAULA
MARKERT
SA/SO, 21./22.03., 10–17 Uhr WORKSHOP »VERBINDUNG FOTOGRAFIEREN – THE
ENVIRONMENTAL PORTRAIT« mit PAULA MARKERT
Anschrift FFF
Fotografie Forum Frankfurt (FFF)
Braubachstraße 30–32
60311 Frankfurt am Main
Telefon +49 (0) 69 29 17 26
Telefax +49 (0) 69 28 639
E-Mail: contact@fffrankfurt.org
Öffnungszeiten und Eintritt | Jessica Backhaus
Öffentliche Führungen immer mittwochs, 17 Uhr
Öffnungszeiten Di–So 11–18 Uhr, Mo geschlossen
Eintritt regulär 8 Euro, ermäßigt 5 Euro
Fotografie Forum Frankfurt – Die Institution
Das Fotografie Forum Frankfurt (FFF) gehört zu den führenden eigenständigen Zentren für Fotografie in Europa. Als Ausstellungsort, Institution und Veranstaltungsforum vermittelt das FFF alle Aspekte von Fotografie. Seit der Gründung im Jahr 1984 wurden rund 300 Ausstellungen mit historischen und zeitgenössischen Positionen gezeigt. Das Programm der FFF AKADEMIE umfasst regelmäßige Workshops, Vorträge und Gespräche mit international renommierten Fotograf*innen, Künstler*innen und Expert*innen. Fotografie Forum Frankfurt ist Organisationspartner der internationale RAY Triennale der Fotografie, die in verschiedenen Ausstellungshäusern in Frankfurt/Rhein-Main stattfindet.
Fotografie Forum Frankfurt wird gefördert durch Förderkreis Fotografie Forum Frankfurt e.V., Stadt Frankfurt am Main, FUJIFILM Electronic Imaging Europe und Hauck, Aufhäuser, Lampe.
Weitere Infos unter www.fffrankfurt.org
Lies den Bericht über Martin Parr’s Ausstellung Grand Hotel Parr in Nürnberg