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Parallelen
Noch immer bin ich ein einigermaßen regelmäßiger Sonntagabend-Tatort-Glotzer. Leider gefällt mir die Mehrzahl der in den letzten Jahren gesendeten Folgen nicht mehr. Es gibt jedoch auch Ausnehmen. Das neue Team aus Frankfurt – Melika Foroutan und Edin Hasanović – ist großartig und kann zudem auf hervorragende Drehbücher zurückgreifen.
Und dann gibt es Teams mit Ermittler:innen, die mein Alter haben bzw. nur wenige Jahre älter sind. Dazu zählen Batic und Leitmayr aus München. Gestern Abend haben sie sich mit einem Zweiteiler „Unvergänglich“ vom Publikum verabschiedet und auch ich war einigermaßen ergriffen.
In der anschließenden Dokumentation haben sie auf ihre „TV-Dienstzeit“ Bezug genommen. Das war höchst interessant, stellte ich gewisse Parallelen zu meiner eigenen Dienstzeit fest.
Am 2. Januar 1991 startete ich an meiner ersten Dienststelle am LBA Aschaffenburg, am 01.01.2026 begann mein offizieller Ruhestand.
Seit 35 Jahren prägten Ivo Batic und Franz Leitmayr den Münchner „Tatort“.
Der Anfang 1991
Der erste Fall des Duos war „Animals“. Er wurde am 1. Januar 1991 erstmals ausgestrahlt. Damit begann eine Zusammenarbeit, die den Münchner „Tatort“ über Jahrzehnte hinweg zu einer der konstantesten und erfolgreichsten Ermittlerkonstellationen der Reihe machte. Die frühen Folgen setzten stark auf klassische Kriminaldramaturgie, deutliche Fallstrukturen und das Milieu der bayerischen Landeshauptstadt.
Wandel der Figuren
Am Anfang wirkten Batic und Leitmayr noch wie zwei Ermittler, die sich in einer traditionellen Krimirealität bewegen:
Klarer Dienstweg, konkrete Spuren, sichtbare Polizeiarbeit. Mit den Jahren wurden die Fälle dichter, die Figuren persönlicher und die Konflikte ambivalenter; der Münchner „Tatort“ gewann dadurch einen stärker zeitgenössischen Ton. Gerade die lange Laufzeit erlaubte es, aus zwei Fernsehkommissaren glaubhafte Charaktere zu machen, deren Alterung, Routine und Reibung miteinander mitverfolgt werden konnten
Aus der funktionalen Ermittlerarbeit wurde eine vertraute Männerbeziehung mit Humor, Loyalität und gelegentlicher Skepsis gegenüber dem eigenen Beruf.
Der Münchner „Tatort“ blieb dabei erkennbar bayerisch und bodenständig, öffnete sich aber zugleich immer stärker für Gegenwartsthemen und ungewöhnliche Erzählformen.
Spätere Jahre
In den späten Jahren wurde der Münchner „Tatort“ deutlich reflektierter und oft auch melancholischer. Die Fälle setzten weniger auf reine Auflösung als auf Atmosphäre, soziale Beobachtung und die Frage, wie viel Ordnung in einer komplexen Stadt überhaupt möglich ist. Zugleich rückte das Team selbst stärker in den Mittelpunkt: Die Figuren wurden zu einem Stück Fernsehgeschichte, das nicht nur Kriminalfälle löst, sondern auch Kontinuität stiftet.
Mit zunehmender Laufzeit wurde das Team immer mehr zu einer Marke. Mit 100 Folgen markieren Batic und Leitmayr am Ende einen Rekord innerhalb der Reihe. Dass ihre letzten Fälle als Doppelfolge geplant wurden, unterstreicht den besonderen Status dieses Teams im deutschen Fernsehen.
Der Abschied 2025/26
Die letzten Folgen wurden vom 7. Mai 2025 bis zum 16. Juli 2025 an 44 Drehtagen in München und Umgebung gedreht. Damit fiel im Sommer 2025 endgültig die letzte Klappe für das Duo in der bayerischen Landeshauptstadt.
Die letzte Folge schließt die Figuren konsequent in ihrer Gegenwart ab: vier Tage vor dem Ruhestand, mit einem Fall, der noch einmal alle Kernmotive des Münchner „Tatorts“ bündelt – Stadt, Milieu, Verbrechen, Erinnerung und Abschied. Dass in der letzten Episode sogar ein Requisit aus der ersten Folge, ein roter Porsche, wieder auftaucht, ist ein bewusstes Zeichen der Klammerbildung über 35 Jahre hinweg.
Warum das Duo blieb
Der Erfolg von Batic und Leitmayr beruhte nicht nur auf Krimiplots, sondern auf Wiedererkennbarkeit. Sie verkörperten München als Teil des Stadtbildes und des sozialen Gefüges.
Über 35 Jahre hinweg konnten wir als Zuschauer dieselben Figuren in unterschiedlichen TV-Zeiten erleben: von den frühen 1990ern über die Nullerjahre bis in die Gegenwart mit neuen Sehgewohnheiten.
Gerade deshalb wirkt ihr Abschied größer als ein gewöhnlicher Serienausstieg. Er beendet nicht nur zwei Rollen, sondern eine lange Erzählform, die den Münchner „Tatort“ über Jahrzehnte geprägt hat. Der Schlussstrich steht damit auch für einen Generationswechsel innerhalb einer der bekanntesten Krimiserien im deutschsprachigen Fernsehen.
Fazit
Jetzt befinde ich mich zusammen mit den beiden bayerischen Ermittlern im Ruhestand, wobei ich mir sicher bin, dass die Beiden noch nicht die Beine hochlegen werden, sondern uns sicherlich auch künftig begegnen werden. Gerade Wachtveitl ist sein Jahren ein beliebter Sprecher von Hörbüchern.
TV-Tipp
https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/tatort/doku-batic-und-leitmayr-teaser-100.html