Coronavirus: Nulltoleranz für Impfverweigerer

Covid-19 regiert nun bald seit zwei Jahren mit all seinen Mutationen nahezu den gesamten Planeten. Die Lage ist weltweit, aber auch bei uns im vergleichsweise reichen Deutschland, alles andere als entspannt.

Die Pandemie, deren Ursprung sich nicht genau klären lässt, wird zudem überlagert vom weltweiten Problem der Klimakatastrophe, von der wir alle sehenden Auges überrollt werden. Die Ursache liegt hier klar im Verhalten der Wohlstandsländer, zu denen wir uns als Deutsche zählen dürfen.

Die möglichst wirksame Verzögerung der Umweltkatastrophe, denn aufhalten werden wir sie meines Erachtens gar nicht mehr können, sollte daher unsere politische und gesellschaftliche Hauptaufgabe sein. Nicht die bestimmt schlimme Pandemie, bei der wir glücklicherweise über mehrere wirksame Impfstoffe verfügen, die uns allen helfen können, sofern sie auch wirklich allen zugänglich gemacht werden.

Keine Impflicht bei uns“ – ein dringend zu korrigierender politischer Fehler beim Versuch der Bewältigung der Pandemie

Es war ein Fehler von enormer Tragweite, zu einem sehr frühen Zeitpunkt, noch vor Vorliegen wirksamer Impfstoffe, geradezu parteiübergreifend zu proklamieren, dass es keine Impfpflicht bei uns in Deutschland zur Bekämpfung des Coronavirus geben werde.

Diese leichtsinnige, sicherlich kalkulierte, Äußerung fällt den politisch Verantwortlichen seit Monaten auf die Füße und untergräbt bis heute nachhaltig den Fortschritt beim Impfen.

Die Kurskorrektur müsste sofort erfolgen. Das beabsichtigte Herauspicken einzelner Berufsgruppen im Hinblick auf eine spezifische Impfpflicht scheint mir überhaupt nicht zielführend, entspricht es gerade nicht dem Gleichbehandlungsgrundsatz.

Auf diesem Wege könnte zumindest die zu erwartende Abwanderung von in gesellschaftlich relevanten Bereichen Tätigen – Gesundheit, Pflege und Bildung – eingeschränkt werden. Ganz verhindern lässt sich dieser Abwanderungsprozess nicht.

Eine Impflicht gab es in der ehemaligen BRD bis 1975, einige Ältere werden sich an die Pockenschutzimpfung erinnern. Gerade der Osten – die neuen Bundesländer – scheint dem Impfen nunmehr besonders kritisch gegenüberzustehen, obwohl die allgemeine Impfpflicht in der DDR über Jahrzehnte viel ausgeprägter war als bei uns.

Es gibt bei uns selbstverständlich bereits eine Impfpflicht durch die Hintertür

Von der Politik wird genau dieser Vorwurf seitens der Imfgegner:innen immer wieder bestritten.

Natürlich gibt es jede Menge „bauernschlaue“ Versuche, die Impfgegener:innen durch immer wieder neue Erschwernisse im Alltagsleben – letztlich ist es der immer wieder neu aufblühende Strauß an den diversen, kaum mehr zu überblickenden „G“-Status-Regelungen – sozusagen an die Nadel zu bringen.

Präsentiert wird das natürlich ausschließlich als Schutzmaßnahme.

Wir befinden uns alle – auch die Geimpften und Genesenen – in einer sich nach wie vor dynamisch ausbreitenden Pandemie.

Auch wenn ich selbst als Zweifach-Geimpfter zweifellos insbesondere die Ungeimpften anprangere, ist es längst keine Pandemie der Ungeimpften, sondern eher eine, die stark von Unvernunft geprägt ist. Die Impfgegner sind allerdings eine echte Teilmenge davon.

Doch auch die Geimpften verhalten sich nicht durchweg vernünftig. Ich erlaube mir exemplarisch auf den Beginn des Kölner Karnevals am 11.11.2021 zu verweisen.

Schließung der Impfzentren und die Aufhebung der epidemischen Notlage von nationaler Tragweite

Beides waren unverzeihliche politische Fehler mit einer fatalen Signalwirkung, wenngleich die Impfzentren derzeit wieder hochgefahren werden.

Man proklamierte damit schlichtweg, gerade für die „einfacheren“ Gemüter:

„Die Pandemie ist vorüber, die restlichen Impfunwilligen werden wir schon irgendwie überzeugen.“

Man wollte die Wähler:innen beruhigen und verteilte symbolische Geschenke, die mutmaßen ließen, dass sich wenigstens das Leben der Geimpften maßgeblich normalisieren würde.

Nichts davon ist eingetreten. Das war auch zu keinem Zeitpunkt zu erwarten.

Wir befinden uns derzeit in der vollen Wucht einer vierten Welle, weitere – hoffentlich dann leichtere – Wellen werden sicherlich noch folgen.

Die jetzige Welle kam mit rechtzeitiger Ansage der Fachleute und Virologen, die für Impfgegner zu medialen Feindbildern geworden sind. Dabei liefern sie nur die Fachinformationen für die von uns gewählten Volksvertreter in Verantwortung, die bis heute daraus allzu häufig keine, halbherzige oder die falschen Schlüsse ziehen.

Das bundespolitische Interregnum – ein politisches Vakuum

Wir befinden uns im Interregnum, die alte Bundesregierung ist noch geschäftsführend im Amt, leider auch der Bundesgesundheitsminister, der bisher eine jämmerliche Figur in beinahe jeder Phase der Pandemie abgegeben hat.

Wir befinden uns derzeit zudem gleichermaßen landauf, landab in einem Wirrwarr von sich schnell ändernden Regelungen.

Mit den „G-Begriffen“ – geimpft, genesen, getestet – wird wild jongliert, ohne dass man sich bei den Initiatoren die Konsequenzen bewusst macht. Das Ganze auch noch unter dem Deckmantel des immer wieder hoch gehaltenenen Föderalismus, der diesen Irrsinn noch befördert.

Die „Ampelkandidaten“ – möglicherweise unsere künftige Bundesregierung – haben sich nun endlich auch mal geäußert. Man darf nicht vergessen, dass sich in der sich anbahnenden Koalition ein „Noch-Mitglied der geschäftsführenden Großen Koalition“ befindet – die „alte Dame“ SPD.

Das, was aus den Verhandlungen der „Ampel“ als Gesetzentwurf bisher durchgedrungen ist, kann zumindest mich keineswegs überzeugen.

An der Aufhebung der epidemischen Notlage nationaler Tragweite soll festgehalten werden, Kontaktbeschränkungen und Lockdowns werden mehr oder weniger kategorisch ausgeschlossen.

Doch genau auf eine solche Situation mit Einschränkungen steuern wir gerade zu. Ein Blick nach Österreich genügt, um aufzuzeigen, wie logische weitere Schritte bei weiter steigender Inzidenz und Überlastung der Intensivbetten aussehen könnten.

Doch die FDP hat die SPD und auch Die Grünen längst im Sack. Von dieser Koalition ist nach dieser ersten wichtigen Kostprobe nichts wirklich Bahnbrechendes und Wegweisendes zu erwarten.

Drittimpfung als Booster

Natürlich sind die Auswirkung der dritten Impfung auf die Inzidenz, wie man sie in Israel beobachten kann, beachtlich. Insofern soll und muss dafür auch geworben werden.

Adressaten sind natürlich primär diejenigen, die bisher vollständig geimpft „schienen“.

Meines Erachtens dürfte dieses Anliegen einer zweiten bzw. dritten Impfung vorrangig ein zeitkritisches sein. Inhaltlich dürften die bisher – nur vorläufig vollständig – Geimpften sich überwiegend ein weiteres Mal impfen lassen.

Natürlich werde auch ich mich nach 180 Tagen seit Erreichen des vorläufig für vollständig geglaubten Impfstatus artig anstellen, um die Drittimpfung zu empfangen. Sicherlich primär um wiederum mich selbst, in zweiter Linie auch um andere, sogar die Ungeimpften, zu schützen.

Auch diese Strategie führt mit großer Sicherheit nicht dazu, die Pandemie nachhaltig abzuwehren.

Nicht umsonst simuliert Israel derzeit Maßnahmen bei einer zu erwartenden fünften Welle. Ja, die Israelis bedenken den nächsten Schritt, während hier halbherzig herumgedümpelt wird mit unser aller Gesundheit.

Massive Erhöhung des Drucks auf die Ungeimpften notwendig

Natürlich ist Überzeugung Andersdenkender immer der beste Weg, auch im Hinblick auf das Impfen.

Doch, Impfen gegen das gefährliche Virus ist in diesem Stadium längst keine Privatangelegenheit mehr, sondern jetzt erst recht ein Akt der Solidarität geworden.

An Solidarität scheint es insbesondere in unserem Land zu mangeln. Auch hier genügt ein Blick nach nebenan – nach Spanien, Portugal und Italien.

Die Pandemie hält uns Deutschen den Spiegel vor. Das, was man dort sieht, ist wahrlich kein schönes Bild, sondern die Fratze unseres auseinander fallenden Landes und seiner Bevölkerung.

Das Hochhalten von Grundrechten und Freiheitswerten, Impfgegener, tun dies mit Vorliebe, ist ehrenwert, doch die Freiheit des Einzelnen findet ihre Grenzen genau dort, wo die Freiheit und Gesundheit der gesamten Gesellschaft mehr und mehr verloren geht.

In der herrschenden Pandemie mit ihren Konsequenzen auf unser aller gesellschaftliches und soziales Leben ist dies jedenfalls so.

Seit nunmehr zehn Monaten können wir alle, auch die Zauderer, das Impfen gegen das Virus kritisch beobachten.

Es gibt definitiv keinen Impfstoff, bei dem nicht auch mit Nebenwirkungen zu rechnen ist.

Das kritische Astra Zeneca ist quasi vom Markt verschwunden. Überwiegend wird nunmehr ohnehin der Impfstoff von Biontech Pfizer verimpft.

Spätfolgen sind nicht zu befürchten, auch wenn immer wieder großer Blödsinn über die bekannten Social-Media-Kanälen verbreitet wird.

Die „G“-Regelungen

Auch die Genesenen und Geimpften müssen endlich anerkennen, dass für diese Gruppe eine Normalität wie vor der Pandemie so bald nicht erreichbar sein wird.

Die Verfolgung der 2Gplus-Regel (geimpft oder genesen und zusätzlich zumindest schnellgetestet) für (größere) Veranstaltungen ist eine erste Anerkenntnis dieser Situation, wenngleich längst überfällig. Die Erkenntnisse liegen bereits seit Wochen vor.

Persönlich gehe ich noch weiter. Wenigstens einfache OP-Masken sollten bei diesen Veranstaltungen unter Einhaltung der Abstandsregeln bis auf weiteres obligatorisch sein.

Diese Maßnahmen würden das Veranstaltungswesen mitnichten befeuern, es hat ja gerade erst wieder langsam Fahrt aufgenommen.

Ob kleine und mittlere Veranstaltungen dann noch wirtschaftlich durchführbar sein werden, wird man schon bald sehen. Ich befürchte – nein!

Denn diese notwendigen Maßnahmen stellen weitere Hürden dar, um spontan auf ein interessantes kulturelles Angebot reagieren zu können.

„3G“ am Arbeitsplatz seit dem 9.11.2021

Ich möchte gar nicht so sehr ins Detail gehen, weil ich mich ansonsten zu sehr aufrege.

Grundsätzlich finde ich diese Vorgabe längst überfällig, doch muss sie mit einem vertretbaren Aufwand auch umsetzbar sein.

Leidtragende in der Umsetzung dürfen dabei nicht die Geimpften und Genesenen sein. Umgekehrt darf dem Nichtgeimpften das Arbeiten nicht völlig unmöglich gemacht werden.

Einen gewissen Druck, den Impfunwilligen allein aus Gründen der Bequemlichkeit zum Impfen zu bewegen, darf eine solche Maßnahme m. E. dennoch ausüben.

Wenn aber derzeit eigenes – geimpftes oder genesenes – Personal die ungeimpften Kolleg:innen während der laufenden Arbeitszeit „von Amts wegen“ mehrmals wöchentlich beim Nasebohren beobachten muss, fliegt mir regelrecht der Kopf weg.

Hier besteht dringender Nachregelungsbedarf. Möglicherweise ändert sich etwas durch das seit heute wieder geltende Angebot freier Coronatests für alle.

Gleichzeitig wird selbst die freiwillige Angabe des Impfstatus der Geimpften und Genesenen gegenüber dem Arbeitgeber von Datenschützern und vom Deutschen Gewerkschaftsbund in Frage gestellt.

Wie bitte wollen wir aus der Pandemie herauskommen, wenn wir uns selbst immer wieder neu im Wege stehen?

Kürzlich habe ich mich im Eifer des Schreibens im bekanntesten Social-Media-Kanal zu folgender Äußerung hinreißen lassen:

„Deutschland – ein Irrenhaus, dem die Klinikleitung abhanden gekommen ist!“

Zunächst habe ich diesen Satz danach wenigstens etwas bereut, mittlerweile stehe ich mehr denn je dazu.

Bei uns spielt sich seit Monaten eine Tragödie in mehreren Teilen ab:

Unser Wohlstand, auch unsere wirklich schätzenswerten Freiheiten im Denken, im Recht auf Meinungsäußerung, unsere Grundrechte überhaupt, haben uns am Ende fast handlungsunfähig gemacht.

Die Pandemie als gesellschaftlicher Belastungstest – meine persönlichen Konsequenzen

Ich wünschte, dass ich mich künftig speziell auf Facebook aus Beiträgen zum Thema Covid-19 komplett heraushalten könnte, sie am besten auch gar nicht mehr lese, vor allem nicht die Kommentare dazu. Findet man hier überwiegend zweifelhafte Impfgegner, die, möglichst anonym, herumstänkern, aber natürlich auch unmissverständlich aufzeigen, dass noch eine gesellschaftlich sehr schwierige Klientel vom Impfen überzeugt werden muss. Mitmenschen, mit „normaler“ Angst vor dem Impfen, begegneten mir dort bisher nicht.

Mit Worten kann man auf den Social-Media-Kanälen niemanden mehr überzeugen, die Wortgefechte bewirken schlichtweg nichts, außer, dass man sich selbst kurzfristig etwas Luft verschafft.

Die Fronten sind verhärtet, der gesellschaftliche Graben bei diesem Thema definitiv zu groß geworden. Das wird für unser Zusammenleben sicherlich nicht nur kurzfristig Folgen haben.

Auf Facebook streiche ich, dort wo es mir auffällt, erkennbar querdenkende „Freund:innen“ aus meinem persönlichen Portfolio.

Bei Impfgegnern in meinem direkten persönlichen Umfeld gehe ich auf die nötige, natürlich auch räumliche, Distanz. Es fällt mir zunehmend schwerer, Verständnis für deren egoistische Haltung aufzubringen.

Die „alte Normalität“ wird es bei diesen Beziehungen nicht mehr ohne weiteres geben. In manchen Fällen schmerzt mich das, nicht aber in allen. Eine gesellschaftliche Extremsituation, wie diejenige, die wir gerade durchlaufen, zeigt auf, wie der oder die Andere wirklich tickt.

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