Coronavirus: Erfahrungen in der Obermain Therme Bad Staffelstein

Ein denkwürdiger Besuch der Obermain Therme am 30. Jahrestag der Deutschen Einheit.

Zum gemeinsam gefeierten 120. Geburtstag im letzten Jahr hatten meine Frau und ich eine Übernachtung im Best Western Hotel in Bad Staffelstein geschenkt bekommen. Neben anderen Extras war auch der Besuch der benachbarten Obermain Therme ein Teil des Geschenkpaketes.

Das Coronavirus hat uns die Inanspruchnahme des Gutscheines immer weiter nach hinten verschieben lassen. Steigende Fallzahlen in Sachen Covid-19 ließen in uns den Entschluß reifen, vor einem möglichen weiteren Lockdown, uns dieses Arrangement jetzt zu gönnen.

Wer weiß, wann es dann wieder klappen könnte?

Kurzum:

Die Übernachtung im Best Western mit Abendessen (Candle Light Dinner) und Frühstück war tadellos.

Obermain Therme

Der Besuch der benachbarten Therme, über den sogenannten Bademantelgang erreichbar, hat mich nicht nur irritiert, sondern so wütend gemacht, dass ich meinem Ärger über Bewertungen bei Facebook und Google Luft unmittelbar gemacht habe.

Der Betreiber hat sich dann – sehr sachlich – zu Wort gemeldet. Das rechne ich ihm durchaus hoch an.

Natürlich hat er sich auch mehr Präzision in meinen Angaben gewünscht. Dem will ich nun nachkommen.

Ich bezweifle grundsätzlich nicht, dass dieses Schwimmbad in diesen schweren wirtschaftlichen Zeiten nach einem Hygienekonzept betrieben wird.

Bloß, wer kontrolliert dessen Einhaltung ernsthaft?

Entscheidend ist in erster Linie die Anzahl der zugelassenen Besucher.

Nein, ich habe die Besucher nicht gezählt. Wenn aber diese Zahl – wir haben vor der Therme eine mindestens 100 Meter lange Besucherschlange und einen sehr gut belegten Besucherparkplatz feststellen können – schon reduziert ist, möchte ich die Therme selbst in Corona freien Zeiten nicht besuchen wollen.

“Die Wanne ist voll”

Sämtliche Becken waren rappelvoll belegt, die permanent über Lautsprecher verkündeten 1,5 Meter Mindestabstand zwischen den Badenden wurden laufend missachtet.

Die Whirlpools waren ebenfalls dicht besetzt – ohne jede Einschränkung der Personenzahl.

“Weizenbier und Axxxxgeweih”

Vollkommen daneben fand ich den Getränkeausschank und den Verzehr von Cocktails und Weizenbier im oberen Außenbecken.

Miterleben konnten wir, wie eine vergleichsweise beherzte Bademeisterin einen jungen Mann des Bades verwies, der es – aus ihrer Sicht – auf die Spitze getrieben hatte. Für mein Dafürhalten hätte man die komplette Gruppe, in der er sich befand, rausschmeißen müssen.

Alkoholgenuß im Badebecken zeugt von Dekadenz, erst recht in Zeiten, wo die Corona-Fallzahlen steigen.

Solebecken

Wie man als Bademeister zuschauen kann, dass das kleine Solebecken komplett überbelegt wird, dann erst alle auffordert, das Becken umgehend zu verlassen, zeigt, dass das Aufsichtspersonal der Situation mit einigen uneinsichtigen Besuchern nicht gewachsen ist.

Wir haben die Therme nach gut einer Stunde verlassen, im Anschluss die Bade- und Saunamöglichkeiten des Best Western genutzt und so das Wohlbefinden erfahren, das wir uns an diesem Samstag in der Obermain Therme erhofft hatten.

Erster Corona-Fall in der Obermain Therme in Bad Staffelstein

Am darauffolgenden Montag, den 5. Oktober 2020 konnte ich auf infranken.de zum ersten Corona-Fall in der Obermain-Therme lesen.

Dass sich bis zu 920 Personen in der Therme gleichzeitig aufgehalten haben könnten, will ich gerne glauben.

Obermain Therme – der zweite Anlauf

Am Sonntagmorgen um kurz nach 8:00, gleich nach dem Aufstehen und vor dem Frühstück, haben wir uns dann nochmals für eine knappe Stunde in der Therme aufgehalten.

Die Becken füllten sich zusehends mit Besuchern aus dem Segment der Risikogruppe (älter als 60). Von dem Tohubawohu des Samstagnachmittags waren wir wirklich weit entfernt.

Ja, das darf man Wohlbefinden nennen.

Dennoch kann ich mir nicht vorstellen, dass ich nach den gesammelten Erfahrungen am Samstagnachmittag an diesen Ort nochmals zurückkehren werde.

ZusammenfassungDiskrepanzen

Die Obermain Therme ist für die Region um Bad Staffelstein und darüberhinaus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Das benachbarte Kloster Banz und Vierzehnheiligen sind kulturelle Anlaufstellen anderer Art.

Nachdem Covid-19 auch der Bäderwelt in der ersten Jahreshälfte 2020 ordentlich zugesetzt hat, versucht man natürlich jetzt das Maximum aus diesen Badeunterhaltungsbetrieben herauszuholen. Risiken nimmt man in Kauf, Chlor sei ja der Feind des Virus.

Und die Hepa-Filtrierung in den Flugzeugen funktioniert so gut, dass man sich im Fahrgastraum so sicher wie im OP-Saal fühlen darf. So argumentieren vor allem die Fluglinien.

Vor diesem Hintergrund zeigt sich, dass die getroffenen Corona-Gegenmaßnahmen nach wie vor zu erheblichen Verwerfungen innerhalb unserer Gesellschaft führen.

Liegt die Veranstaltungswirtschaft in weiten Teilen komplett am Boden aufgrund ganz erheblicher Einschränkungen im Hinblick auf zugelassene Besucherzahlen, wird der Motor überall dort angeworfen, nötigenfals auch überdreht, wo es um die Einnahmen der Kommunen geht.

Die freien Kulturträger gehen am Ende leer aus.

Es sind am Ende eben nicht alle gleich. Man kann – eine zum Teil erhebliche – Unwucht, eine ganz offensichtliche Ungleichbehandlung einiger Gesellschaftsteile während der Pandemie noch immer feststellen.

Kann ich persönlich auf Vergnügungstempel vom Format einer Obermain Therme problemlos dauerhaft verzichten, geht mir das insbesondere bei den kleinen Club-Konzerten anders.

Hier vermisse ich während der andauernden und sich nunmehr weiter verschärfenden Pandemie tatsächlich etwas Essentielles.

Mit großer Mühe versucht sich diese Szene, oft aus reinem Idealismus, dafür nahezu ohne jegliche öffentliche Unterstützung, ins gesellschaftliche Leben zurückzukämpfen.

Priorität genießen in Krisenzeiten indes “zweifelhafte Orte” wie die Obermain Therme.

© Gerald Langer

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