Hafensommer Würzburg 2016 – Willi Dürrnagel macht Druck

Hafensommer Würzburg 2016
Die Pressemitteilung von Willi Dürrnagel vom 15.02.2016
Möge der Stadtrat Würzburg bei seiner Sitzung am 18.02.2016 dennoch lieber die Vernunft walten lassen


Würzburg – Die Pressemitteilung des langjährigen Stadtratmitgliedes Willi Dürrnagel vom 15.02.2016 erfreut sich zumindest in den sozialen Netzwerken recht großer Akzeptanz.

Hier wird neben allerlei Ratschlägen richtig Stimmung gemacht und die Fangemeinde oder besser noch der “Chor” des – sonst eher konservativ denkenden – Würzburger “Hobby-Historikers”, wie er sich selbst bezeichnet, jubiliert!

„Bravo! Danke! Super! Willi, mach weiter Druck! ……“

(so der Wortlaut einiger Kommentare auf seiner Facebook-Seite)

Willi Dürrnagel ist, wie viele andere Stadträte auch, empört über das Vorgehen der städtischen Verwaltung, was ich durchaus verstehen kann, und ruft nun den gesamten Stadtrat fraktionsübergreifend vor der anstehenden 37. Stadtratssitzung quasi zur “Meuterei”, (am besten gleich mit Übernahme des Ruders?), auf.

Folgende – mir wesentlich erscheinende – Forderungen und Empfehlungen für das weitere Vorgehen in Sachen Hafensommer Würzburg 2016 habe ich aus seiner Pressemitteilung exzerpiert, in kursiver Schrift meine unmittelbaren Anmerkungen hinzugefügt:

  • Der Absetzung des Hafensommers Würzburg die nachträgliche Zustimmung verweigern.
  • Der Versetzung von Ole Kruse – ich nenne ihn hier mal namentlich – aus dem Kulturamt in das Personalreferat vor dem Hafensommer 2016 – möge der Stadtrat nicht zuzustimmen. Die Versetzung könne schließlich später auch passieren.
  • Die Einforderung eines „runden Tisches“ mit den Kulturschaffenden dieser Stadt. Wer trifft denn hier die Auswahl? Wer leitet dieses Gremium?
  • Ein Werkvertrag mit Johannes Engels, dem gerade in den Ruhestand verabschiedeten Kulturamtsleiter, für den Hafensommer 2016. Ich halte Johannes Engels für einen klugen Mann, der sich aus diesem Thema in dieser aufgebrachten Situation sicherlich heraushalten wird, ansonsten bestimmt grundsätzlich für den Hafensommer zur Verfügung stünde.
  • Die Einbindung des Mainfranken Theaters. Für Theater- und Musikaufführungen?
  • Die Einbindung kultureller Vereine, wie zum Beispiel der „Marinekameradschaft Admiral Scheer“ mit ihrem Shanty-Chor.
  • „Es darf keine Pause im Jahr 2016 geben. Bitte helfen Sie mit. Noch ist es nicht zu spät – aber Eile ist geboten.“ (Zitat: Willi Dürrnagel)

Willi Dürrnagel ist unzweifelhaft ein Stück Würzburg, seit dem 1. Juli 1972 Stadtrat und ein in jeder Hinsicht gut vernetzter, wie auch geschickter Populist mit einem ungetrübten Gespür für Mehrheiten.

Andererseits “liebt” er seine Stadt so sehr, dass er als einziges Stadtratsmitglied im Jahre 2009 gegen die Einsetzung der Stadtbild-Kommission, ursprünglich und vorzugsweise besetzt mit externen Architekten und Mitarbeitern der Stadtverwaltung, stimmte.

Willi Dürrnagel ist so etwas wie das vermeintlich letzte gute Gewissen Würzburgs, dessen Meinung für viele Würzburger, ob jung, ob alt, durchaus Gewicht hat.

Viele seiner Äußerungen und Vorschläge in der Pressemitteilung vom 15.02.2016 sehe ich dennoch kritisch.

  • Ist es wirklich sinnvoll, der Absetzung des Hafensommers durch die städtischer Verwaltung nachträglich die Zustimmung zu verweigern? Ist diese Zustimmung überhaupt aus formalen Gründen nachzuholen? Auf jeden Fall würde sich bei nachträglicher Verweigerung wahrscheinlich gar nichts mehr tun, dafür die uns bekannte “Lähmung städtischen Verwaltungshandelns ” einsetzen. Aber wir wüssten in diesem Fall dann recht genau, woran es liegt!
  • Dürrnagels Vorschlag, der Versetzung des stellvertretenden Kulturamtsleiters in das neue Amt im Personalreferat erst mit Ablauf des Hafensommers 2016 zuzustimmen, ist geradezu grotesk, aber letztlich die unliebsame und zu erwartende Konsequenz aus der – leider – von der Verwaltung benutzten Argumentationskette „personeller Engpass“ beim Team Hafensommer.
  • Ein runder Tisch mit den Kulturschaffenden Würzburgs, die Einbindung des Mainfranken Theaters oder der „Marinekameradschaft Admiral Scheer“ mit ihrem Shanty-Chor etc.. Der durchaus engagierte Würzburger sprudelt wirklich nur so vor Ideen.

Ich will ehrlich sein:

Wenn ich diese Ansätze lese, ahne ich, dass der Hafensommer Würzburg 2016, würde man Herrn Dürrnagel und seine Gefolgschaft gewähren lassen, inhaltlich nicht mehr das sein würde, wofür viele Kulturschaffende und Kulturinteressierte sich über Jahre hinweg im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten bemüht haben und was sie auch lieb gewonnen haben:

Nämlich die Stadt Würzburg,

  • neben dem jährlichen Mozartfest,
  • neben dem jährlichen Africa-Festival,
  • neben dem jährlichen Umsonst & Draußen

wenigstens über zwei zusätzliche Wochen jährlich hinweg mit der Art von Musikkultur anzureichern, die nicht immer nur mehrheitsfähig und massenwirksam ist und bisher (zum Beispiel) auch nicht auf die „Marinekameradschaft Admiral Scheer“ mit ihrem Shanty-Chor zurückgreifen musste.

Dem bisherigen Team Hafensommer und ihrem künstlerischen Leiter, Jürgen Königer, sei an dieser Stelle dafür ausdrücklich gedankt!

Vor diesem Hintergrund und vor dem Unheil, das der Marke Hafensommer Würzburg durch diesen drohenden Aktionismus angetan werden könnte, spreche ich mich, auch wenn’s mir wirklich schwerfällt, nun doch lieber für das Trockendock des Hafensommers im Jahre 2016 aus!

Ich wünsche dem Stadtrat der Stadt Würzburg bei der morgigen Sitzung Besonnenheit, durchaus auch Hartnäckigkeit bei den Nachfragen hinsichtlich der (wahren) Beweggründe für den schwer nachvollziehbaren Verwaltungsalleingang und die nötige Offenheit bei den Verantwortlichen aus dem Bereich Kultur der Stadt Würzburg.

Dann hat auch der Hafensommer Würzburg 2017, nach erfolgten Reparaturarbeiten auf dem Trockendock, wieder eine echte Chance, sich weiter im Kulturleben der Stadt etablieren zu können!

© Gerald Langer

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Architekt, Beobachter, Fotograf, Schreiber und dabei sicherlich auch nicht ganz frei von Emotionen.

Und manchmal mache ich mir eben so meine Gedanken ……

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